Seite:Hermann von Bezzel - Die zehn Gebote.pdf/49

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Zweites Gebot II.
Du sollst den Namen deines Gottes nicht mißbrauchen!

 Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir bei seinem Namen nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen, sondern denselbigen in allen Nöten anrufen, beten, loben und danken.

 Ich bin der Herr und sonst keiner mehr; kein Gott ist außer mir. Jes. 45, 5.


 Nichts ist so heilig, daß es nicht entheiligt werden könnte und nichts so teuer, daß es nicht seines Wertes beraubt werden möchte. Menschenzungen sind stärker als Gottes Name und Menschenhände gewaltiger als sein Recht. Er hat seinen Namen heilig gemacht, Menschen können ihn entheiligen. Er hat seine Allmacht groß werden lassen. Menschen sind stärker als Gottes Allmacht. Sein Name ist so heilig, rein und hehr, daß die Engel des Himmels ihn auszusprechen sich scheuen und in heiliger Ehrerbietung vor ihm sich beugen. Und die Zunge, dieses Übel voll tödlichen Giftes, kann auch diesen wunderbaren Bau in Asche legen und den Namen Gottes entheiligen. Seine Allmacht umschließt Himmel und Erde, alle Lande sind ihrer Ehre voll; seine Gewalt hält das Meer in Banden und seiner Größe müssen sich auch die Teufel beugen; aber der Menschenwille ist stärker als Gottes Allmacht. Er ruft und der Mensch antwortet nicht, Er lockt und der Mensch hört nicht. Er wirbt und der Mensch verschmäht die Werbung, Er streckt die Hände aus und der Mensch will diese ladende Hand nicht sehen.