Seite:Hermann von Bezzel - Die zehn Gebote.pdf/53

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Ach Gott, lieber Gott, allmächtiger Gott, teurer Herr, so enteilt es euren Lippen.

 Der Name, den ihr in der Not anrufen, dem ihr nach der Not danken sollt, der wird entwürdigt, weil er zur Redensart ward. Da sind die Frommen, die sich eine Summe geistlicher Redensarten zurechtgelegt haben: du gehst aus dem Zimmer, man ruft dir nach: Gott sei mit dir und geleite dich! Sie wollten etwas Gleichgültiges sagen und haben doch geschworen.

 Man begrüßt dich mit: Gott grüße dich! und sie haben etwas ganz anderes dabei gedacht. Gerade bei denen, die in und von Gottes Wort leben, hat sich so eine Menge frommer Worte zusammengefügt und es überrascht uns dabei, daß, wenn sie sagen: Gott tröste, Gott berate dich, Er sei mit dir, Er führe dich, Er helfe dir aus! es doch eine Nichtachtung seines Namens ist. Und weiter: diese furchtbare Sorglosigkeit bei der Abnahme und Leistung des öffentlichen Eides! In München werden vielleicht in einer Woche 6–800 Eide vor Gericht abgelegt; ein Richter hat mir erzählt, er habe an einem Tage 80 Eide abgenommen. Bei seinem Namen muß man schwören; unser häusliches und öffentliches Leben ist nicht mehr von Klang und Gewicht, sonst müßten wir nicht unserm Leben solche Beteuerungen und unseren Worten solche Gewichte beifügen.

 Der Heiland spricht Matth. 5: „Ich sage euch, daß ihr allerdinge nicht schwören sollt“ und mahnt uns damit, daß wir es ja recht ernst mit der Wahrheit nehmen und von dem quälenden Mißtrauen gegen uns selbst erlöst werden mögen, damit unsere Rede lauter, klar und rein sei. Was für eine Weihnachtsgabe wäre das, die eine Mitschwester der andern geben dürfte, die unsern gemeinsamen Verkehr leuchtend erhellte, wenn ihr einander versprechen wolltet: wir glauben dir aufs Wort, und wenn wir dem Herrn geloben wollten, daß wir seinen Namen nicht lose im