Seite:Hermann von Bezzel - Die zehn Gebote.pdf/56

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sie und die unheimlichen Gewalten, die im Innern des Lebens sich regen, die Bosheit, wie Paulus an die Epheser schreibt, die Bosheit im Luftbereich, die rufen sie an und hören auf und glauben an die Wahrsagekunst, die besonders in Berlin furchtbar betrieben wird, so daß ganze Häuserviertel mit solchen Leuten besetzt sind, die dieses unheimliche Geschäft und Gewerbe treiben. Die wirkende Zauberei ist vor allem die heillose Sympathie bei Krankheiten, das Besprechen der Wunden, das Beschwören von allerlei Leiden, die geheimen Künste, die Geheimmittel, bei denen die Torheit noch größer ist als der Unsinn; das alles ist ein Bund mit unheimlich furchtbaren Gewalten, ein Bund, der nicht immer erfolglos ist. Ich stand einmal an dem Sterbebette eines Zuchthaussträflings, der mich am Samstag gebeten hatte, ihm das hl. Abendmahl zu reichen. Aber mir war es zu schwer; denn ich halte nichts für Unrechter als einem Schwerkranken das Sakrament gleich einem Zaubermittel zu reichen. Ich verweigerte es ihm also, nicht, weil ich es übel mit ihm meinte, sondern weil ich in ihm den wahren Hunger nach dem Mahle wecken wollte. Am Sonntag und Montag besuchte ich ihn und am Montag war eine merkliche Besserung in dem Befinden des vom Arzte schon Aufgegebenen zu konstatieren. Als ich ihn frug, ob er vielleicht eine Arznei eingenommen habe, die ihm Erleichterung verschafft habe, gestand er mir endlich nach langem Zureden, sein Vater habe heimlich des Nachts etwas von seinem, des Todkranken, Speichel im Walde vergraben und seitdem, es war Samstag, sei es besser. Ich habe schwere Mühe gehabt, ihm begreiflich zu machen, daß so nicht der gnädige und barmherzige Gott hilft, sondern das Schreckbild des Feindes. Was ich diesem armen, sterbenden Menschenkinde in seinen letzten Stunden habe kaum mehr klar machen können, das geht durch unser ganzes Volk: Gott will es nicht mehr und seiner Allmacht traut