Seite:Hermann von Bezzel - Einsegnungs-Unterricht 1909.pdf/120

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

worden und ich wünsche, daß die Männer, die weiterhin zu reden haben werden – denn ich weiß, daß von unserer teuren Frau Oberin es nicht anders gehalten werden will und wird – ich wünsche lebhaft, daß das Vertrauen in äußeren Dingen auf den Herrn gesetzt werde und all diese geistlichen und ungeistlichen Quälereien auf den Nächsten hin noch mehr als bislang unterlassen werden. Wir wollen glauben, daß der Herr gebe, was recht ist, und wollen, wenn äußerlich der Mangel drückt, nicht verzagen, Er wird es immer wieder geben, wie es recht ist, und wird zu Seiner Zeit Tür und Tor öffnen, daß wir Reichtums die Fülle haben, weil wir ja nur Vermittler seiner Gaben an die Armen und Elenden werden wollen. Es wird ja sehr viel noch zu geschehen sein, sehr viel. Es wird in manchen Anstalten, ich denke besonders an die Blödenanstalten und das Magdalenium, viel, viel in der Folge geschehen müssen, aber es kann auch geschehen. Der Herr wird es versehen, der Herr wird geben, Ihn wollen wir anrufen, nicht auf äußere Erfolge sehen; wir wollen trauen, daß Er uns nicht in der Not eingegangene Versprechungen brechen und allerlei Anforderungen beiseite legen heißen wird.

 Zum Schlusse komme ich noch einmal mit der herzlichen und herzandringenden Bitte: Neuendettelsau, halte deine Blaue Schule in Ehren. Arbeite weit gründlicher, weit ernstlicher noch für die Blaue Schule! Nur daß dieses stille Heiligtum im Haus recht bewahrt werde, daß es sei ein verschlossener Garten und daß nicht hier eingegriffen werde, wo ein Werden dem Sein vorausarbeitet!

 So wird vielleicht die Diakonissenanstalt stillere Tage haben nach einer erregten und oft sehr stürmischen Fahrt. Und was könnte ich lieber wollen, als daß in diesen stillen Tagen, recht eingehende Pflege im Kleinen, recht ernste Arbeit für die großen kommenden Jahre geschehe. Was wollte ich lieber, als daß die Kirche unseres Bayernlandes von dieser stillen Arbeit aus auch eine Kraft der Stille herüberbekäme! Es muß in unseren erregten Zeiten Inseln des Friedens geben, es muß irgend ein Ort sein, da man, ohne Gefahr mißverstanden zu werden, seines Herzens Innerstes zur Geltung bringen darf. Es wird der Herr Neuendettelsau, wenn es Ihn nicht verläßt, immer wieder zu einem stillen Bergungsort machen, da man im Geist einkehrt, um sich von dem Herrn warten zu lassen und zum Herrn sich zu wenden. „Ringet darnach“, wenn die äußeren Erfolge zurücktreten, wenn manches kleiner und ernster werden wird, „ringet darnach, daß ihr stille seid.“ Die ganze Diakonissensache gleicht mir einem Kinde, das sich zu früh auf den Markt des Lebens gewagt hat und auf dem Markt des Lebens