Seite:Hermann von Bezzel - Einsegnungs-Unterricht 1909.pdf/21

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Ihm aus lauter Güte gezogen und niemand und nichts soll mich von Ihm scheiden. Weil der Abend näher ist als der Morgen und weil die Arbeit des Lebens oft die heimliche Weisheit des hl. Geistes zu begraben und zu übertönen sucht, muß ich meiner Seele jetzt oft sagen: Sei getrost, Jesus lebt; sei getrost, Er will dir helfen. Gott schenke uns diesen ganzen Reichtum Seiner Gnade, diese volle Ernstlichkeit Seiner Liebe, daß wir nicht mehr zweifeln, wie ernst und wahr wir berufen sind. Und wozu sind wir berufen?

1. Daß wir wieder Vertrauen fassen.
2. Daß wir Treue geloben.
3. Daß wir Treue bewahren.

 Das sind die Grundgedanken, die mich nun auf meine weitere Arbeit überleiten, auf den Begriff des Berufs.

 Wir sind vom hl. Geist berufen, erstlich, daß wir Vertrauen fassen. Jedes einzelne Wort der Schrift nicht, weil es Jahrhunderte vor uns gesprochen ist, als veraltet ansehen, sondern fest glauben, was einmal der Menschheit gesagt wurde und was durch den Mensch gewordenen Sohn Gottes durch das in Christo verleiblichte Wort besteht und verwirklicht wurde, das gilt auch mir. Dieses Vertrauen müssen wir fassen, wenn es heißt: Ich habe dich je und je geliebt. So galt es nicht dem Jeremias und nicht dem Volk, das aus Babel heimzieht und nicht den Frommen in Israel allein, sondern mir, als wäre ich dabei gewesen. Ja, weil ich dabei war und bin, wenn der Heiland sagt, daß er alle zu sich ziehen will, so ist das auch mir gesagt und ich will das Vertrauen nicht ferne lassen, daß Er mir kein eigenes Wort erfindet, wenn ich die bereits gesprochenen vernichte, und will es meiner Seele oft sagen, wenn es ihr wie eine Wolke über den Himmel hinzieht. Das Wort ist die Wahrheit, nicht: es enthält sie. Würde es die Wahrheit nur enthalten, so wäre es stückweise, ephemer, für eine Zeit und eine Zeitepoche; aber so schließt das Wort die ganze Wahrheit in sich. Außer ihm liegen keine Reste der Wahrheit. Alles, was wahr ist, empfängt von ihm Bedeutung, Wert und Kraft. Ich will jetzt mit ganzem Ernst sagen, daß Er mir ein vertrauenswertes Wort zugesprochen hat, auf das ich bauen und ihm ganz trauen darf. Er wolle mit Seiner ganzen Treue, mit Seinem ganzen Trost also an mir handeln, daß ich vertrauen lerne und das einzelne Wort, über dem der Heiland gebetet: „Nicht allein für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an mich glauben“ ins Herz fasse, und so mein Herz mit Ewigkeitswahrheiten und Werten und Gütern sättige und erfülle. Ich wills meinem Herrn und Heiland festiglich glauben