Seite:Hermann von Bezzel - Einsegnungs-Unterricht 1909.pdf/22

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und ja nicht zweifeln, Er werde aufs allertreuste das Wort, das Er dem Menschenherzen zusprach, auch mir gelten lassen. Das ist das Eine.

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 Und dann, ich will Ihm Treue geloben. Für all das Mißtrauen, damit ich Ihn quälte und mich und mein Leben zerstörte, für all den Kleinglauben, da ich, der ich Vollbesitzer hätte sein können, als ein Taglöhner die Brosamen auflas und für all die Zweifelsucht, da ich so dürftig durchs Leben ging, während es mir so reichlich winkte und leuchtete: für alles das will ich jetzt hingehen und Ihm Treue geloben. Dieses Gelübde der Treue und dieses Versprechen, Ihm mein Leben ganz zu eigen zu stellen bis in den Tod, hängt so wenig von äußeren Umständen ab, als Er, ohne irgendwie auf Umstände Rücksicht zu nehmen, mir die Treue hält und mit Seinem Wort und Seinem Werk zu mir kommt. Der mich an Sterbebetten Sein Wort hat erfahren lassen und auf den Höhen des Lebens Sein Wort mir nicht versagt und der mich um den Abend in das Tal geleitet, ehe der letzte Berg erstiegen ist, und in allen Verhältnissen und Umgebungen immer wieder Gnade, Friede, Erbarmung spendet, verlangt von mir eine aus allen Verhältnissen heraus sich erhebende, in allen Verhältnissen sich bewährende Treue. Er will, daß ich die Verhältnisse bestimme, damit sie mich nicht umstimmen; Er begehrt, daß ich das Leben in Seiner Kraft beherrsche, damit es mich nicht ohne Seine Kraft regiere. Er nimmt kein Gelübde an, das an Bedingungen gebunden ist, aber bedingungslose Eide gefallen Ihm wohl. Wenn ein Mensch sich aufmacht zu dem größten aller Entschlüsse zu schreiten, den das ärmste Kind fassen, über den der stärkste Mann nicht hinausgehen kann, wenn ein Mensch, dessen sich sein Tröster im Elend, in der Schmach und in der Schande nicht geschämt hat, Leid, Schmach und Schande um des Trösters willen wagt, wenn ein also Berufener den Ruf aller Orten zu hören und auf ihn allerwegen zu gehorchen kräftiglich verspricht, so hat die Berufung ihren zweiten Zweck erreicht. Wir wollen uns fragen, ehe wir jeder in seiner Weise einen neuen Lebensabschnitt beginnen, ob es wirklich bei allem, was uns bewegt und erfaßt, unser Ernst sei, durch dick und dünn Ihm nachzugehen, ob wir Ihn vor den Menschen bekennen wollen und in Ihm das Bekenntnis unseres Lebens suchen werden, ob Er der Regent und die Kraft unsres Lebens bleiben solle. Wir wollen den Ernst der Gelübde gründlich fassen; begeisterte Gelübde sind noch lange keine Geistesgelübde und keine geistgefälligen; und die erregte Hitze des Fieberkranken ist sehr lebhaft, aber nicht gesund. Wir wollen nicht in schwärmerischer Weise ein Haus bauen, luftig und hoch, das der erste Sturmwind abdeckt