Seite:Hermann von Bezzel - Einsegnungs-Unterricht 1909.pdf/28

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nehmen, täglich um Jesu Christi willen Widerspruch zu erfahren, Widerspruch nicht sowohl von der Welt, die uns umgibt, sondern aus der Welt heraus, die hier in unserm eignen Herzen sich erhebt. Das ist Nachfolge Christi, wenn ich meine Neigung dem Pflichtgebot opfere, das ist Jesu Kreuz, wenn ich immer weniger auf das blicke, was meinem natürlichen Menschen, sei es als Behagen der Arbeit, sei es als Freude der Ruhe, eingeht und schön deucht, sondern auf das sehe, was sein muß und soll, etwas von dem lerne, daß man in späteren Tagen sich führen lassen muß den Weg, den man nicht wollte noch begehrte. Wenn ein Mensch in seine ganze Lebensfolge die Leidensfolge aufnimmt und seinem Herrn zu Ehren auch den Weg der Schmach und der Vereinsamung nicht scheut, wenn er willenlos und doch nicht willensschwach ohne irgend welches Begehr für sich harte, ernste Tage auf sich nimmt, dann ist etwas von dem Kreuz Christi da. Und wir werden uns alle wohl prüfen müssen, wie weit wir im Stande wären das Kreuz zu tragen. Unsere Kirche hat bekanntlich in ihrer Sittenlehre einen ganz eigenen Lokus vom Kreuz, spricht über das „grobe heilige“ Kreuz, zu dem der Herr diejenigen beruft, denen Er das Herz und Seine Liebe abgewonnen hat. Wie nun das Kreuz im Einzelnen heißt und welche Gestalt es im Einzelnen annimmt – es sei uns genug, daß es die Weise ist, in der und auf die wir unserm Heiland ähnlich werden. Er aber macht es leicht zu erkennen, was Kreuz ist, indem Er mit großem Ernste nimmt, zerbricht, zerstört, um dann eine Arbeit aufzulegen, die aussichts- und erfolglos scheint. Er tut es, indem Er alles, was ein Mensch von Natur kann, ihn weglegen heißt, damit er das lerne, was er von Natur nicht kann. Christi Kreuz ist nicht Selbstbeherrschung. In der Selbstbeherrschung kann man es zum Virtuosentum bringen. Man kann durch tägliche Schulung eine Fertigkeit in der Selbstbeherrschung erreichen, daß man auf all die wechselnden Eindrücke mit einem gewissen Gleichmut antwortet, aber in der Selbstverleugnung hat noch niemand ein Virtuosentum erreicht, da ist nur einer unser Meister, der Sein Leben bis in den Tod nicht geliebt hat. Diese Art von Selbstverleugnung hebt im Herzen an, wenn ich seine Neigungen aufopfere, anscheinend berechtigten Stimmungen kein Gehör schenke und mit ganzem Eifer das zu denken trachte, was zu denken Er mir vorstellt. Die Selbstverleugnung beginnt mit dem paulinischen Wort: Ein Jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war, heißt uns in den ganzen Ernst einer herzlichen, aufrichtigen, lauteren Hingabe unsrer Gedankenwelt an den Herrn Christum eindringen und eintreten, heißt uns arm werden, damit Er in uns reich sei und wir in Ihm reich werden.