Seite:Hermann von Bezzel - Einsegnungs-Unterricht 1909.pdf/46

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wir! Von dem Ideal des Berufes innerlich erfaßt, von der Herrlichkeit der Arbeit für den großen Herrn und Heiland innerlich erfüllt, weihen und heiligen, segnen und reinigen wir die Berufe. Wir sagen: es sind im Erdenberuf mancherlei Wege, einerlei Pflicht, mancherlei Weise und einerlei Segen, mancherlei Art und einerlei Kraft.

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 Es liegt mir nahe, so nahe, daß die Unterlassung mir unnatürlich erschiene, wenn ich nicht noch in diesen Berufsunterricht“ meine Sorgen und Erfahrungen, meine herzlichen Bitten und Ermahnungen hineinlegen dürfte als ein Scheidender, der doch ungeschieden bleiben möchte und bleiben will, als einer, der mehr an das letzte große Scheiden als an das zeitweise erfolgende sich und andre mahnt. Ich meine, wir wollen in den nächsten Stunden recht davon reden, was die Diakonie der Kirche schuldet und was die Kirche der Diakonie gibt. Schauen wir einmal das an, was der Herr in den 70 Jahren, seitdem Diakonie, seitdem dieser Erdenberuf wieder zu Ehren kam, geschenkt hat. Es ist ja zweifellos in dem Diakonissenwerk jetzt ein Stillstand, und wo der Stillstand eintritt, versucht man allerlei Reizmittel, damit aus der Stille nicht ein Schlaf und aus dem Schweigen nicht ein Todesschlummer werde. Die Höhe der Entwicklung ist überschritten; sie lag so am Ausgang der 80er Jahre; und wenn ich die Diakonie mit der Bewegung des Pietismus vergleiche, mit dem sie ja sehr viel Aehnlichkeit hat, so brauche ich nicht erst zu sagen, Gott hat in der Geschichte unserer Kirche immer die eine Bewegung durch die andre rektifiziert, den Orthodoxismns durch den Pietismus und den Pietismus durch die Orthodoxie. Wenn eine Bewegung sich nicht damit begnügt, eine andre zurechtzustellen, zu heiligen und zu heilen, so wird sie an ihr selber wieder krank und der Herr nimmt sie wieder weg und es kommt etwas anderes. Man vergesse es nicht, man wird es oft noch sehen: wir haben der Diakonie zu viel zugemutet, zu viel aufgebürdet und von ihr zu Großes erwartet und darum muß jetzt wieder eine andre kümmerliche Zeit kommen für das gesamte teure Werk, damit es nicht ein Selbstzweck in Seiner Kirche sein dürfe und sein wolle, sondern ein großes Mittel zum großen Zweck, daß die Gemeinde Gottes erbaut werde. Es ist, so sehr wir uns dagegen wehren und sträuben, unleugbar, daß das Gros, welches jetzt unsre Häuser erfüllt, weder Zeit noch Anstrengung will, um auf die Grundanschauung recht zurückzukehren. Die Arbeit wächst, die Anforderungen gehen ins Unermessene, die einzelnen Arbeiterinnen werden zu sehr herangezogen: was Wunder, wenn man nicht mehr die Zeit sich nimmt, auf die alten Grundanschauungen zu achten; aber das Große tut es einmal nicht,