Seite:Hermann von Bezzel - Einsegnungs-Unterricht 1909.pdf/81

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Schönste, Edelste, das Reinste.“ Während unsere Väter versuchten, unseren heranwachsenden Kindern die Herrlichkeit in allem darzustellen, hat man jetzt die abscheulichen Zeichenhefte erfunden, in die die Kinder ihre ärmlichen Karrikaturen niederlegen, die von den Lehrern angestaunt werden, und nun sucht man nicht die kindliche Phantasie zu wecken, sondern zu vernötigen und damit zu überbürden und zu zerstören.

 Wie es in diesen rein äußerlichen Sachen ist, daß den Kindern eine Aufgabe gegeben wird: Wie stellst du dir dies und das vor?, so hat man sich jetzt die Aufgabe gestellt, die Kinder ihre Gedanken niederlegen, sie ganz reden zu lassen ohne Zucht und Scham. Ich erinnere nur an jene Themata, die nicht aus der Phantasie gegriffen sind, wenn dem 8 oder 9jährigen Kinde das Aufsatzthema gegeben wird: „Wie ich meinen Herrn Pfarrer ärgere“; oder wenn das Thema gestellt wird: „Unser Lehrer ist krank“ (das Kind möge seine Empfindungen bei dieser Nachricht mitteilen), und so die Roheit und Impietät unter der Firma des natürlichen Empfindens herausgequält wird. Wenn vergessen wird, daß es nicht darauf ankommt, was aus dem bösen Schatz des Herzens herausschäumt, sondern daß es darauf ankommt, was an Heilsgütern und Heilsgnaden geweckt werden kann, dann hat die Lehrdiakonie die hohe Aufgabe, das Wahre und Klare, die Reinheit heiligen Schrifttums und die einfachen Erzählungen recht einzuprägen.

 Es ist Seelsorge, über die Maßen große Seelsorge, wenn man ohne viel Zutat, ohne alle möglichen Erklärungen, ohne Empfindungen zu erregen und zu erwecken, die biblische Geschichte lesen und in ihrer Ursprünglichkeit wirken läßt. Tauchen Sie, die Lehrschwestern selber, in das Geheimnis ein, daß Ihr Gott ein ewiges Geheimnis erfunden und gegeben hat, sind Sie von der Ehrerbietung durchglüht, daß hier Ihr Herr und Gott selbst mit Ihnen redet, treten Sie vor die Kinder in der Freude des Besitzes der biblischen Wahrheit, so braucht es keine langen Erläuterungen und keinen gelehrten Ballast, das kann man in wenigen Sätzen abmachen. Die Hauptsache ist, daß des Kindes Wille dem sich zuwendet, der da im Verborgenen wandelt und im Offenbaren einst vergelten wird. Von dieser Realität heiligen Schrifttums, von dieser Wiedererlebung, wie Haman sagt, alles dessen, was einmal geschehen ist, weil es für alle Zeiten geschah, und von dieser Hereinstellung der armen Gegenwart in eine ewige Gegenwart dessen, der da der lebendige Gott ist, geht der Gesamtunterricht aus. Wie kann eine Dienerin Jesu Weltgeschichte anders den Kindern vorführen als im Schauer vor dem, der Sein Antlitz leuchten läßt, daß wir auf Erden Seine Wege erkennen, nicht bloß Sein gnadenreiches