Seite:Hermann von Bezzel - Festpredigt über 3. Joh. 15.pdf/5

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Bestand zu der seinen gemacht und seine Ehre für Dich und Dein Leben verpfändet, so will er auch die kleinen Mühseligkeiten, die Du in seiner Nachfolge auf Dich nehmen willst, zur Ewigkeits- und Reichssache erheben. „Alle Euere Sorgen,“ läßt er Dich durch seinen Apostel heute bescheiden, „wirf auf meinen Vater, Er sorgt für Dich.“ Mit treffsicherer Hand sollst Du die schweren Bedenklichkeiten und mancherlei Nöte auf den werfen, der in der Last am ersten gefunden und durch die Last am meisten geehrt wird. Es ist nicht löblich, in kühnem Wagnis eine Arbeit zu beginnen und in Kleinmut an deren Fortgang zu zweifeln, aber christlich ist es, seinen Herrn für all das innerlich interessiert zu glauben, was ihm zu Ehren geschieht. Dem Pfennig der Witwe, die aus ihrer Armut gibt, was sie vermag, gilt kein geringeres Wort als der reichen Spende des Besitzenden. Wohl ihnen, wenn sie beide das Zeugnis bekommen, daß sie taten, was sie konnten, – um in seinem Auftrag die Sorge zu mildern und den Weg zu ebnen!

 In tiefer beschäftigende Kämpfe führt weiter der Wunsch. Es ist dem Protestantismus eigen, immer wieder seinen Grund auf Haltbarkeit und Dauer zu prüfen, es ist die Pflicht des Lutheraners, nicht das Überkommene um deswillen zu wahren, weil dies leichter ist, sondern es erneuernd sich anzueignen und zu erleben. Es ist Ehre des evangelischen Christen zu glauben nicht in äußerlicher Anpassung an vorlängst Geschehenes, sondern in innerster persönlicher Zusammenschließung mit dem, der die Ewigkeit in die Zeit hereingebracht und die Zeit um den Preis der Ewigkeit sich erkauft hat. Wir wollen die großen, schweren, scheinbar gegensätzlichen Kämpfe in unserer Kirche unter den Wunsch des Friedensfürsten beschließen, der nicht gekommen ist, unsere laue Gleichgültigkeit mit dem Ehrenworte „Frieden“ zu schmücken, sondern der das Schwert gebracht hat, damit es durchdringe und scheide. Er hat dem Kampf gegen alles Unreine und Unechte nur einen Preis vorgestellt, die Wahrheit, wie er sie hat und wie sie ist. In diesem Kampf gibt es nur zwei Waffen, das Schwert zum Trutz, das klare, blanke Schwert des Geistes, und den Schild zum Schutz, den unangetasteten und unversehrten des Glaubens. Wir rechten nicht damit, wenn unsere Zeit das Schwert handlicher zu führen versteht, als eine vergangene, und den Schild besser zu handhaben weiß, als ihr Vater, wenn es nur der alte Schild und das ehrliche gute Schwert ist, mit denen unsere Väter die Wahrheit erkämpften, verteidigten und bewahrten. Geliebte Gemeinde! In den großen Fragen der Gegenwart gilt nur das Erglaubte, Erlebte, Erliebte: Gott schenke Dir für den Kampf um die Wahrheit ihren Schutz und aus ihm ihren Frieden!

 Über 100 Jahre hast Du in dieser schönen Stadt Heimatglück und Bürgerrecht genossen. Gott hat Dich annehmbar gemacht. Wo ihr, spricht der Herr Christus, in ein Haus eintretet, so sprecht: „Friede sei mit diesem Hause!“ Eingezogen in das Gemeindewesen, eingegliedert in seine Rechte und Sorgen, sollst Du, evangelische Gemeinde, als Gastgeschenk in seiner Erlebung, in seiner Bezeigung,

Empfohlene Zitierweise:
Hermann von Bezzel: Festpredigt über 3. Joh. 15. Siegfried Perschmann, Würzburg 1911, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hermann_von_Bezzel_-_Festpredigt_%C3%BCber_3._Joh._15.pdf/5&oldid=- (Version vom 1.8.2018)