Seite:Hermann von Bezzel - Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben.pdf/4

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ein wundersames Geheimnis, auch der Wissenschaft nicht ganz klar, wie der menschliche Leib unter so wundersamen Einflüssen von Neigung und Abneigung, von äußeren und inneren Eindrücken und Erlebnissen sich bildet, bis er an das Licht der Welt tritt.

 Wenn also Gott bei der Bildung des Leibes – alle natürlichen Vorgänge mit eingerechnet – seine eigenen Gedanken verfolgt und ausführt, so wird er auch weiterhin über dies Leben wachen. Es ist Gottes Gerechtigkeit, daß er, je länger je mehr, im Leibesleben (in der Bewegung deiner Hände, in dem Aufschlag deiner Augen, in der Gestaltung deines Mundes) dein Innenleben zum Ausdruck kommen läßt. Der Mensch, der am Sinnlichen und Gemeinen, am Genuß seine Freude hat, wird auch äußerlich als ein sinnlicher Mensch gekennzeichnet durch ganz bestimmte, von Gott geordnete Züge. Den Jähzornigen, den Neidischen, den scharf Urteilenden, den Geizigen, den Kritischen läßt Gott – wer ein wenig mit Seelenkunde sich beschäftigt, wird mir das zugeben –, meist auch äußerlich sich ausgestalten. Der erste Eindruck, den wir, die wir mit so vielen Menschen in Berührung zu kommen haben, immer wieder – nicht als maßgebend, aber als sehr bestimmend – annehmen, kommt eben von diesem Umstand her, daß Gott in der äußeren Gestalt die Seele sich abschatten und abbilden heißt. Der erste Eindruck von einem Menschen mit offener Stirne, mit klarem Blick und freiem Auge ist ungleich angenehmer als der erste Eindruck von einem Menschen, dessen Auge umflort ist, dessen Lippen etwas ausgeprägt Genußsüchtiges und Genußwollendes haben. Ich sage nicht, daß dieser erste Eindruck fehllos oder maßgebend ist, aber ich sage, daß er bestimmend ist. Selten wird jemand, der Gott darum bittet: Laß mich im ersten Eindruck den Menschen erkennen! in diesem Gebete enttäuscht. So wacht Gott über den Leib.

 Bei den Einen ist der Leib die Hauptsache, ihr wißt es alle. Wenn so viele zum Seelenarzt gehen würden, als man zum Leibesarzt läuft, oft wegen unbedeutenden Unwohlseins, dann müßten die Diener der Kirche wahrhaftig wenig freie Zeit mehr haben. Und wenn man so oft in die hl. Schrift sich flüchten wollte, als man in den Inhalt und Rat medizinischer Bücher sich flüchtet, dann wäre die Bibel das