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zu brauchen, arbeiten, als ob wir ewig leben möchten, und leben, als ob wir heute noch scheiden dürfen. Gott verleihe uns die vita contemplativa eines Luther, die beschauliche Art der Gottinnigkeit: „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.“ Aber er gönne uns auch, weil wir nicht zum Traum geboren sind, sondern zur Mühe, die vita practica eines Augustin. Weltmächtig, weltzugewandt und doch schließlich weltfern gehen wir durch die Zeit, bis wir in der Heimat aller Seligen auch diesen Männern begegnen und ihnen für alles danken dürfen, was sie uns gewesen sind. Gott erhalte uns Lutheraner im Glaubenstrotz und im Glaubensernst, er gönne uns aber auch die stille Freude an allen Erdendingen, welche das Sündige verleugnet und das Wahre verklärt, bis wir im Hause der Heimat nach dem Ernst der Wallfahrt ihn von Angesicht zu Angesicht sehen und mit der großen Wolke der Zeugen alle seine Gedanken verwirklicht erblicken und uns selbst in diesen Wirklichkeiten! Amen.




Empfohlene Zitierweise:
Hermann von Bezzel: Luther und Augustin. Verlag der Buchhandlung der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1912, Seite 24. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hermann_von_Bezzel_-_Luther_und_Augustin.pdf/24&oldid=- (Version vom 9.10.2016)