Seite:Hermann von Bezzel - Pflicht und Recht der Inneren Mission.pdf/10

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Aber er sucht die Erscheinungen des Augenblicks für die Stunde zu bannen und weiß sich ihr nur verpflichtet.

 Innere Mission aber, die auf den Grund der Dinge zu sehen befähigt und darum verpflichtet ist, wiederum das kluge aus den wahren und eigentlichen Nothelfer gerichtet hat, würde sich selbst ausgeben, wenn sie bekenntnislos wäre und der Augenblicksnot die erste Hilfe allein erwiese, ohne Not und Gnade ganz zu erwägen. Sie hätte ihr Recht um das Linsengericht des schnelleren Erfolges verkauft und Schaden an ihrem innersten Wesen genommen, ohne doch die Welt gewonnen zu haben. Es sind manche Anmutungen an sie ergangen, das Innerste ihres Wesens dranzugeben und so größere Kreise um ihr Werk zu ziehen und für ihre Arbeit zu gewinnen. Aber um deswillen, dem sie dient, muß sie in der Enge bleiben, die vertieft, und in den Schranken gehen, die erstarken lassen. Neidlos sieht sie größere Erfolge, die der humanitären Bewegung gewiß nicht ohne Gottes Willen zufallen, freut sich über Anstalten und Werke, die der Menschenfreundlichkeit natürlichen Gepräges gelingen, glaubt auch nichts sich zu vergeben, wenn sie mit anderweitigen Bestrebungen eine Wegstrecke weit geht, denn alles ist dem zu Dienst und Gebote, der Christi ist. Aber in dieser edlen Weitschaft ist ihre Grenze. Was sie nicht mit ihrem Herrn kann, das tut sie nicht ohne ihn. Die Vielgeschäftigkeit ist ihr noch nicht Tat und die Erfindsamkeit ist noch nicht Liebe. Sie begehrt nicht Dinge zu machen, die des wahren Gehaltes entbehren und wartet, bis Seine Zeit gekommen ist. Andererseits ist es ihr Recht, weil es ihr der geliehen hat, dem Silber und Gold gehören, sich aller Gaben an Zeit und Mitteln zu bedienen, die ihr dargereicht werden. Wenn sie auch mit der Zeit nicht kargt, also daß sie Niemanden, um ein Wort Kingsleys zu gebrauchen, warten läßt, bis eine Komiteesitzung oder eine wichtige Beratung zu Ende geführt ist, weil der Leidende sonst sterben könnte, so glaubt sie doch, es „sei das Recht großer Christen, Schulden zu machen und die kleineren Christen sie zahlen zu lassen.“ Bodelschwingh’s Werke wären ohne diese Maxime nicht entstanden.

 Es ist ja auch nicht Innere Mission, wenn jetzt so viele Veranstaltungen zu Gunsten der Armen zugleich dem Vergnügen dienen. – Nicht die Summe der Zigarrenabfälle gibt Mittel, sondern die Ersparnis durch Genüsse, die man sich versagt. Auch kommt füglich durch Abbruch von geistigen Getränken mehr Geldhilfe ein als durch Sammlung des Flaschenstaniols. Aber vielleicht darf die Liebe zum Elend da und dort sich dienen lassen, wenn ihr Gewissen nicht bedrückt und ihr Blick nicht getrübt wird. Gott kann auch mittelbare Handreichung heiligen und läutern.