Seite:Hermann von Bezzel - Pflicht und Recht der Inneren Mission.pdf/17

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Nächsten ein Rätsel, aber ganz der Gnade zugetan, die ihm einen Namen gönnte wie ihn die Großen auf Erden haben. Was er für seine Landeskirche, deren Mängel und Makel er nicht mit Ham’s Freude aufdeckte, wollte und begehrte, war innere Mission an ihr, Neugestaltung nach Gottes Gebot, Echtheit, Wahrheit und Lauterkeit, war ganz, wahr und echt. Nicht daß er ein weltabgelegenes Dorf mit einem lieblichen Kranz von Anstalten schmückte, deren edle Einfachheit mehr gibt als verheißt, war seine Größe, das haben andere vor ihm und vielleicht noch besser getan, sondern daß er alles mit dem persönlichen Gepräge eines geheiligten Geistes weihte, der fortwirkt, nachdem sein Träger bald 50 Jahre dem Erdenleid entnommen ist, das bleibt die Hoheit des Mannes, der arm viele reich machte, und alles hatte, obgleich, ja weil er nichts inne hatte.

 Nur einen von den ihm Näherstehenden – die nahe zu stehen glaubten, erwiesen das durch Nachahmung, die nicht das Abbild erhöht, sondern das Vorbild herabzieht – nennen wir als Meister der volkstümlichen Rede und darum als Schöpfer wahrhaft volksmäßiger Kalender, den alten Pfarrer von Aha, Wucherer. Ludwig Harms und ihn mag man billig vergleichen, um den einen gemeinverständlich, den andern in edler Einfachheit bedeutsam zu nennen.

 Was Wucherer schrieb, war nie platt. Wer dem Volk nach dem Mund sieht, der schreibt und spricht gebildet, denn die Denkart wie die Sprechweise der Bauern ist kurz und prägnant und gibt dem Bild in der Sprache sein Recht. Es war die ruhige Klarheit der besitzfrohen Gewißheit und die edle Natürlichkeit der kunstlosen Rede, deren Einfachheit der Beweis ihrer Wahrheit ist. Wir dozieren zu viel und geben zu wenig, unsere Volksschriften und Unterhaltungsbücher wollen alles Gute und Rechte vereinigen, dadurch aber geht die Ursprünglichkeit zu Verlust, welche nicht überredet, sondern überzeugt. Die Literatur der Inneren Mission ist reichhaltig, vielfarbig, vielgestaltig. Aber sie ist nicht populär.

 Aus den letzten Jahren aber seien noch drei Namen herausgehoben, de multis non maxima, sed eximia, Bohrer, Langheinrich und Friedrich Boeckh.

 Wiederum sind es 25 Jahre, als der Pfarrer des oberfränkischen Dorfes Himmelkron, dessen altes Zisterzienzerrinnenkloster aus dem Jahre 1280 durch Jahrhunderte gegen Verunstaltung und Versäumnis zeugte, den Gedanken faßte, von der Stätte aus, deren Verödung seine Pfarrei mit Leid und Not erfüllt hatte, das Dorf zu verneuen. Was er mit Erschließung von Arbeitsgelegenheit, mit Eröffnung der alten Räume zu Werken der Barmherzigkeit Gutes getan hat, wird eine spätere Zeit dem dankbaren Oberland bezeugen. Ein Wandersmann auf harter Straße, die er selbst noch sich erschwerte, zur Wehmut geneigt