Seite:Hermann von Bezzel - Pflicht und Recht der Inneren Mission.pdf/18

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

und leicht sich zurückziehend, still in dem, was er dachte, stark bei dem, was er wollte, so hat er Wege gebrochen, die nicht leicht, aber bedeutsam sind. die Verneuung der Kirche – das ist Innere Mission – geht nicht vom Großen ins Kleine, vom Allgemeinen ins Besondere, sondern hebt bei dem Unscheinbaren als dem Reflexe des Gesamtlebens an, das durch Verneuung des Einzelnen in Rückwirkung selbst sich verjüngt. Es wäre wahrlich ein großes Ding, wenn in den Dörfern draußen altes Gemäuer vor dem Verfalle, alte Sitte und Herkommen vor der Vergessenheit bewahrt würden, indem man mit dem Gewande das Leben verneute. Große Aufgaben warten hier unser. – Neben dem schöpferischen Pfarrer auf dem Lande nennen wir den die Großstadt mit der Schlichtheit des Kleinstädters meisternden Pfarrer, den seligen Georg Bohrer, als Stadtvikar Münchens auch hier noch in gutem Gedächtnis. Mit dem Sinne des Kindes, das Hindernisse nicht kennt, wenn ihm das Ziel nur gewiß ist, mit der Unmittelbarkeit der Intuition, die ihn allerwege nicht das größte, aber das beste Wort finden ließ, verband den teure Mann die Kunst der Beschränkung, die es mit allem ernst nahm, am meisten mit dem Eigenen. Aller Nachfolge wert, keiner ganz erreichbar, war seine Kunst, frommen und fröhlichen Sinn zu wecken und zu vereinen. Seine Frömmigkeit war Freude und seine Fröhlichkeit fromm. So hat er den Nürnberger Arbeiterverein meisterlich geleitet, allen Gliedern ein Freund und doch an keinen gebunden. Mit Heller, dem feinsinnigen Pfarrer von St. Lorenz, hat er der Inneren Mission in Nürnberg behutsam und bedächtig vorgestanden und dem Landesverein in der frischen und lebensvollen Persönlichkeit Ferdinand Reindels den ersten Vereinsgeistlichen gegeben.

.

 „Seine Heiligen rangiert Gott.“ Darum, so nahe es läge, vom „Größten“ der drei teuren Männer zu sprechen, wenn ich Friedrich Böckh nenne, bescheide ich mich. Achtzehn Jahre durch gute und böse Gerichte, durch ernste und frohe Tage, bald näher zur Seite, bald ferner tretend, aber in dem Notwendigen mit ihm eins, habe ich den Neubegründer des Augsburger Diakonissenhauses kennen und ehren und – lieben gelernt. Vornehm im Wesen und Wort, ein Mann der Kunst und ihr dankbar zugetan, mit der Gabe des Herrschens mehr ausgerüstet als mit der des Tragens, hat Böckh durch vierzig Jahre der Landeskirche nicht nur in der religiösen Unterweisung ihrer studierenden Jugend, der in ihm Melanchthons Meistergabe leuchtend entgegentrat, sondern durch Wort und Schrift für die Innere Mission, durch das Diakonissenwerk, das er in weiser Mäßigung förderte, unvergessene Dienste getan. Wahrlich, wo edelste Geschichte aus der Not des Tages, die wie vor Zeiten drängt und ängstigt, aus der besonderen, die neue Pflichten erweckt und erwirbt, wo sie endlich aus dem Erreichten und den großen und