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Herz gewonnen hat. Denn das Ziel der Inneren Mission bleibt doch, daß die Ehre Gottes aller Welt offenbar werde und sie in ihm froh sein könne.

 Leibliche Not wenden ist nur eine Hilfsarbeit für die größere, daß dem tiefsten Verlangen der Menschenseele Genüge geschehe, die Leben will, um nicht an sich zu vergehen. Pflege der Seele, daß sie nicht an Enttäuschung sterbe, während sie zum Leben und das Leben für sie bestimmt ist, will in vertrauensvoller Anlehnung an das geordnete Amt die Innere Mission sich angelegen sein lassen, jederzeit bemüht, auf innersten Grund und letzten Zweck ihre Arbeit zu prüfen, damit sie nicht in Vielgeschäftigkeit gerate und der Phrase verfalle, die mehr verbirgt als gewährt, jederzeit auch willig, zurückzutreten, wo und weil man sie nicht mehr braucht.

 Freilich, die Zeit scheint ferner als je. Denn die Nöte wachsen und die Arbeit mit ihnen.

 In wenigen Jahren wird Bayern manche patriarchalische Einrichtungen hinfallen sehen müssen und die Landeskirche ihre Innere Mission, der sie so viel und gerne sich verpflichtet weiß, zu neuen Anstrengungen aufrufen.

 Die Kirchenleitung hat in einem Erlasse vom Spätherbst 1849 zum erstenmale den Werken und Bestrebungen der Inneren Mission ihre Teilnahme zugewendet und durch bald siebenzig Jahre ihr die Treue gehalten. Sie wird fernerhin, was sie tun kann, aufbieten, um der Freiwilligkeit, die sie nicht bestimmen, der sie aber zustimmen will, ihre Liebe zu erweisen, sie wird den Berufsarbeitern den Weg bahnen und, wo es sein kann, persönliche Kräfte darbieten, wird raten und mahnen, bitten und werben, um mit dem geistlichen Amte und der Gemeinde in edlem Wetteifer der Not Abhilfe zu tun.

 Treu im Bekenntnisse zu dem größten aller Diener, der mit seiner heiligen Person unserer Unheiligkeit sich angenommen hat, unbeweglich auf dem einen und ewigen Grunde, von dem aus alle Fragen zwar nicht restlos gelöst, aber allein richtig gewürdigt werden können, will sie der hohen Freude Gehilfin sein, die das Verlorene sucht und das Gesuchte findet.

 Adolf Kahl hat jenen Vortrag vom 18. September 1890 mit einer Vision geschlossen, halb in feinem Scherze, daß am 18. September 1891 eine Oberkonsistorial-Entschließung ergehen werde, welche alle seine Desiderien würdigen und soweit angängig, erfüllen werde.

 Mit einer weit über behördliche Maßnahmen und ihrer immerhin nur relativen Wirksamkeit, auch über alle christliche Dienstbereitschaft gehenden Zusage möchte ich schließen: Mache dich auf, werde Licht, denn Dein Licht kommt!