Seite:Hermann von Bezzel - Predigt am Jubiläum des Evangelischen Arbeitervereins Nürnberg.pdf/4

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Matthias Burger – welche Namen treuen Verbündnisses von Arbeit und Arbeitsernst im Glauben!

 Im Jahre 1861 steht eines Tages ein einfach schlichter Rat hiesiger Bürger beisammen; sie haben an einem weltlichen Fest den Segen der Gemeinschaft erfahren und begeben sich nun zu ihrem Pfarrherrn mit der Frage, ob dieser Segen nicht auch in evangelisch-kirchlicher Weise verspürt und erfahren werden könnte. Es sind die Männer Adam Steiner und Karl Georg Lill. Was aber in den Adventstagen des Jahres 1861 hier geplant wurde, hat späterhin – 20, 30 Jahre später von dieser Kanzel aus ganz besonderen Segen und Weihe erfahren durch den Volksmann unter den Predigern, durch den Prediger aus dem Volke, den seligen Pfarrer Georg Bohrer. Was er in fast 20jähriger Tätigkeit seinem geliebten Arbeiterverein gewesen ist, ein Mann, von dem Segensströme ausgingen, weil er nichts anders sein wollte als ein Bekenner evangelischer Wahrheit in Wort und Werk, das bleibt in den Annalen dieses Vereins nicht nur, sondern in vielen tausend evangelischen Herzen verzeichnet und beschlossen. Was er auch späterhin für unsere Landeskirche geworden und gewesen ist, vergelte ihm Gott! Als es mit ihm zum Sterben ging, hat seine Pflegerin in nächtlicher Stunde ihn damit getröstet, daß auch in der Verklärungswelt Arbeit genug vorhanden sei – und aus der Freude an der Arbeit ist er in die Arbeit der Freude hinübergegangen; ein ganzer Mann, ein ganzer Christ, ein rechter Diener seines Heilandes, volkstümlich, treu, einfach und wahr.

 In all diese Erinnerungen, die wir in dieser Stunde wie Markzeichen und Merksäulen aufrichten, tritt der herein, der mehr gearbeitet hat, als wir alle, von dem der Prophet rühmt, daß er bis zum Tode die Arbeit geliebt und gelitten hat: Jesus Christus – und bietet der feiernden Gemeinde und den in ihr lebenden Vereinen zwei Wünsche: weltoffen und weltfrei.

 I. „Ich bitte nicht für sie, daß du sie von der Welt nehmest“ spricht der Herr! Welch große Art! Der Herr Himmels und der Erde soll sich um solch arme Leute annehmen wie diese Fischer vom See Genezaret, diese Teppichweber und Zolleinnehmer. Ihre Namen sind unbekannt, ihre Arbeit still verborgen, aber sie haben Einen sich zum Freund erkoren, in dessen Nähe der ärmste Name aufleuchtet und die geringste Arbeit Licht und Klarheit empfängt – sie haben Jesum in ihr Schiff genommen, seinetwegen die Netze ausgeworfen, um seinetwillen den ganzen Tag gearbeitet. Sie haben nicht übergeistlich des Ernstes des Tages vergessen noch ungeistlich an die Forderungen des Tages sich verkauft, sondern haben Jesum eingeladen, daß er, der große Meister der Arbeit – wie er sich nennt –, der Baumeister und „Architekt“ ohnegleichen, sich ihre Gemeinschaft gefallen lasse.