Seite:Hermann von Bezzel - Predigt beim 25jährigen Jubiläum des Vereins für innere Mission in Nürnberg.pdf/5

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aus dem Freunde der Arzt, aus dem Genossen des Leides sein Heiland ward, der Schmach und Schande des Kreuzes, des widerspruchsvollsten Zeichens auf sich nahm, um den Widerspruch im Leben der Seinen zu tilgen. Weil er Christo in die Augen und ins Herz hat schauen können, weiß er etwas von dem Geheimnis der Gottesgeburt. Der aus Gott Geborene lebt in Gott, mit Gott und für Gott: In Ihm und durch Ihn gebiert Gott neue Persönlichkeiten.

 Von dem Tage an, da eine Seele Jesum erblickt und in ihm als dem wahrhaftigen Gottesgeheimnis sich findet, weiß sie sich aus Gott geboren. An sich der flüchtige Sohn der Stunde, Schatten und Hauch, ein kaum genannter und bald vergessener Name ist er, weil aus Gott geboren ein Gedanke, um den die Ewigkeit sich mühte, dem die Zeit das äußere Gepräge und sein Gott die rechte Bedeutung verleiht. Aus Gott geboren ist der Tag mit seiner Pflicht, der Gedanke, der die Arbeit als Recht und das Heimweh als Freude anspricht. Wenn das kleinste Werk dem größten Ziele dienend und das unscheinbarste Wort die höchste Ehre verkünden will, sind sie aus Gott geboren, die Träne des Mitleides um die Not des Nächsten, der betende Gedanke an ihn, die werbende und wirkende Hand für ihn, jede Regung der Fürsorge und jede Erweisung des Erbarmens – aus Gott geboren. Wenn aber das Leid über die eigene Abirrung vom Lebensquell das Herz ergreift und die Angst über ein verfehltes Leben, welche durch die Vielgeschäftigkeit betäubt, aber nicht getröstet wird, dich überwältigt, so sind auch sie aus Gott geboren, der verlorene Sohn bleibt eben doch ein Sohn der Liebe und der Verleugner der Lebenskraft ist in seinem Leide ihr bester Bekenner.

 Vor fünfundzwanzig Jahren hat aus Gottes ewigen Grundquellen, die da strömen und beleben, wo Er will, in dieser an Gottestaten so reichen Stadt ein Werk zwar nicht seinen Anfang genommen, aber in Geformtheit und äußerer Ordnung sich gezeigt, das man wohl den Verein für innere Mission nennt. Wie einst teure Stiftungen mittelalterlicher Frömmigkeit, Herbergen der Barmherzigkeit schufen, deren eine einem Joseph Schaitberger die Tore für einen Gottesdank öffnete, wie reformatorische Lebensverneuung auf persönliche