Seite:Hermann von Bezzel - Predigt beim 25jährigen Jubiläum des Vereins für innere Mission in Nürnberg.pdf/7

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die ein Kronrecht der christlichen Allgemeinheit sein will und sein soll, nicht auf einzelne Kreise beschränkt, die sich in sich selber ausleben und an sich sterben? Evangelische Festglocken haben den Tiefton des Bußgeläutes, dem apostolischen Alles steht das Wenig der Tat, dem Geheimnis der Gottesgeburt die Unheimlichkeit äußerer Erwägungen reuig zur Seite: Fünfundzwanzig Jahre sind klagend und anklagend, weil oft unausgenützt und unausgefüllt uns vorangezogen, vergrabene Pfunde reden wider uns, versäumte Gelegenheiten erheben sich aus dem Grabe. Daß unsere Arbeit nicht andere fortriß und unser Glück im Weinberg nicht für ihn begeisterte, drückt uns hart.

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 Aber Reue und Leid sind aus Gott geboren, der Bußbekenntnis in Freude und Jubel wandelt und unsere Schuld auf starke Schultern legen will. Er hat in Christo werden und sein lassen, was seit einem Vierteljahrhundert hier geschah, Er wolle, was wider Ihn und ohne Ihn war, gnädig vergessen und vergeben. Zum unerschöpften Born Seiner Güte eilen wir heute, daß aus Ihm der höchsten und einzig wahren Persönlichkeit nicht Zahlen und Ziffern, Namen und Titel, sondern Persönlichkeiten entquellen möchten, deren höchstes Glück es ist, von Ihm zu stammen, in Ihm zu leben, für Ihn zu wirken. Mit hoffendem Auge, wie es königlichen Leuten zusteht und gebührt, überblicken wir die kommenden Jahre; der in der einzelnen Ähre schon das zur Ernte sich neigende Feld freundlich erblickte und im ersten Werbegang der Jünger das Ziel bis an die Enden der Erde steckte, in dessen Hand Diener und Dienerin Seiner Gedanken geraten, wolle geben, was Er befiehlt und dann befehlen, was Er will. Ihm geloben wir heute des Felsens zu gedenken, aus dem wir gehauen und des Brunnens, aus dem wir erflossen sind, die Lebenskräfte, die im schlichten nie veraltenden Evangelium ruhen, ins Herz zu fassen, ins Gewissen zu graben, in den Willen zu nehmen. Mehr Gebet tut uns not, die wir uns nicht nach Ruhe sehnen, die da erschlafft, sondern nach Stille, die da erstarken läßt. Wortreiches Bekenntnis, abwechslungsreiche Werkerei, die Haus an Haus und Zahl an Zahl reiht, verleugnen den Ursprung von dem Gott, der in der Stille wohnt und wirkt und schafft. Zu dem Gott geborenen Heiland Jesus Christus, dessen Leben Gehorsam,