Seite:Hermann von Bezzel - Predigt beim 25jährigen Jubiläum des Vereins für innere Mission in Nürnberg.pdf/9

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 Wir rühmen es ihm nach. Wenn ein längst verklungen geglaubtes Gotteswort unser Herz trifft, daß es mit Angst nach Sünde und Gnade fragt und eine ganze Welt wertlos erscheint, weil ihr Gewinn nicht die Seele rettet – ist da nicht ein Sieg errungen? Neid und Bitterkeit schweigen, wo Jesus den am Kreuze erworbenen und erprobten Frieden darbietet, eine Welt von Vorurteilen sinkt in ihrer Hohlheit zusammen, wenn Er viel größer, als man je dachte, vor die Seele tritt. Wir leben oft im Schein und vom Schein: die Größe seines Wortes ruht in dessen Echtheit, schlecht und recht behüten es, der Schein flieht, die Wahrheit siegt, das berechtigte Sein vertreibt Schatten und erborgten Glanz, daß man nichts Großes zu sein begehrt, sondern nur etwas Echtes, die Vielseitigkeit verschmäht, um ein Ganzes zu sein. An sich verkauft und in sich befriedigt, lehnt die Seele Sinn und Sorge für die Not des Nächsten ab. Sie sieht den Bruder darben und schließt vor ihm zu, sie sieht ihn verkommen und will nicht sein Hüter sein, in seinem Blute liegen und geht vorüber. Aus der Tiefe der Selbstsucht, die Ihm das Herz gebrochen und den Tod bereitet hat, steigt in schweigender Majestät das Kreuz empor, eine Predigt der Liebe ohne gleichen und ohne Ende. Wer kann den stillen Einfluß seiner Passion ergründen und die Besiegten zählen, denen das Kreuz den Mut zur Selbstsucht abgewann: Was ich nun lebe, das lebe nicht ich!

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 Alles, was aus Gott geboren ist, überwindet auch die Welt in ihrer Weite. Alles ist euer, ruft der größte Herold Christi, Schönheit der Antike, Größe der Weisheit ihrer Denker und Dichter, Alles untersteht dem, der Christi ist. Der leuchtenden Schönheit entfällt Glanz und Gabe, wenn sie Ihm sich entzieht, aber das Verachtete und Unwerte gewinnt hehre Würde, weil es Ihn sucht. Das arme Kind, das zur Sommerszeit über die Wiese hinsingt! „Schönster Herr Jesu, Herrscher aller Enden ist reicher und seliger als alle Meister in Kunst und Sang, wenn sie ihm nicht in das Auge geschaut haben. Verächtlich ist die Schwachheit, die zittert, zagt und bebt, aber die aus Gott geborene Jesu Christi ist zur Obmacht geworden, vor der alle Kniee sich beugen. Torheit ohne gleichen ist es, daß einer für andere sterben soll und daß dieser