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großen Wohltäters für Amerika willen deutsche Art lieben. Und Karl Schurz hat wahrlich in seiner Art auch viel für Amerika geleistet! „Siehe, daß meiner Feinde so viel sind und hassen mich aus Freud.“

 Sollte Italien noch hinzutreten, so wäre es „halt nur ein Feind mehr“, wie einst Ferdinand II. beim Anzug des Schwedenkönigs Gustav Adolf lächelnd sagte, aber es wäre auch ein Treubruch mehr, ärger wie der des heidnischen Japan, das seit gewissen Erfahrungen zur Feindschaft gegen uns immerhin ein gewisses Recht hat. Die unglücklichste Liebe, die Deutschland durch Jahr hunderte gehabt und mit Tränen bezahlt hat, mit Undank belohnt fand, ist die zu Italien gewesen. Edle Sachsenkaiser, die großen Staufer, der hochbegabte Konradin zuletzt, Künstler und Dichter, Lehrer und Denker, Wanderer und Staatsmänner haben das Verlangen nach dem Wunderlande zumeist teuer gebüßt. Nun soll es wieder so werden. Die Waffenbrüderschaft wird verleugnet, der Dank für ihre Bewahrung vergessen, der Gewinn, den man aus der Treulosigkeit erhofft, höher geschätzt als die Gewißheit des inneren Wertes der Treue. – „Solch eine Felonie ward nicht ersehen in der Weltgeschichte.“

 Warum hat Deutschland so viele Feinde? Sie sind ihm doch kaum durch seine Bündnistreue allein erwachsen, die es freilich ritterlich und ehrlich gehalten hat. Was 1866 unter Blut gesäet hat, das haben fünfzig Jahre bewährt. Nicht die Abhängigkeit von Österreich, sondern die Zugehörigkeit zu ihm ist geblieben und hat die schwersten Proben bestanden. Doch unsere Feinde mit Ausnahme etwa von Serbien haben wir alle redlich allein für uns. Man sollte meinen, das Herz Europas würde besser geschätzt und sorglicher behütet, denn seinen Wert ersetzt nichts, seine Krankheit aber teilt sich den Völkern mit. Ein entrechtetes und entkräftetes Deutschland läßt die Nachbarvölker vielleicht äußerlich gedeihen, aber innerlich verarmen. Denn nur wenn es Deutschland gut geht, werden auch die anderen Völker wahre Lebensgüter und Kräfte empfangen. Nirgend ist der Katholizismus so reich und tief als in Deutschland und nicht erst seit den Zeiten der Reformation. Jener

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Hermann von Bezzel: Unsere Feinde. , Ansbach ca. 1915, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hermann_von_Bezzel_-_Unsere_Feinde.pdf/11&oldid=2902374 (Version vom 10.9.2016)