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ein Engländer sein, die Hand des Franzosen, des Russen, des Belgiers und des Serben fassen, einig in der Verteidigung dessen, was das Leben menschlich macht: das ist ein göttlicher Kreuzzug!“

 Also wir Deutschen unter der Führung Wilhelms II., der einst an heiliger Stätte (1898) gebetet hat: „Nicht um Vergrößerung der Macht ringen, nicht nach Ehre und Ruhm verlangen wir, sondern einzig und allein dürsten und rufen wir nach dem Heile unserer Seelen,“ unter der Führung des Kaisers, der gleich seinem Urgroßvater 1813, seinem Großvater 1870 den Kriegsorden des Eisernen Kreuzes zur hohen Auszeichnung erhoben hat, geht Deutschland aus, um das Kreuz zu bekämpfen! So spricht eine Kirchenzeitung, der der Herr den Taumelkelch vollgeschenkt hat, daß sie der Wahrheit niemals glauben darf, der Lüge immer glauben muß. Und nun sehe man die um Verteidigung und Schützung der edelsten Güter Vereinigten sich näher an!

 Da ist vorab der Serbe, an dessen Händen Fürstenblut klebt. Das jetzige Königshaus hat sich durch Trug und Mord den Weg zum Thron gebahnt; da es auf Unrecht aufgebaut hat, muß es mit Unrecht das Seine behaupten. Halbasien hat den Krieg entfacht, der nun Europa mit Brand und Blut erfüllt. Als jener Königin träumte, sie werde Mutter eines Sohnes werden, bei dessen Geburt eine Fackel von Europa nach Asien leuchte, da ward ihr der Siegeszug Alexanders des Großen vorausgesagt. Der moderne Alexander, nicht der Große, dingt Meuchelmörder und entflammt den Weltkrieg.

 Und zu Serbien gesellt sich Rußland mit dem Zaren, dem Enkel des Zarbefreiers, der „dem Germanismus und dem Protestantismus“ den Todesstoß versetzen will. In seinen Adern fließt zwar deutsches Blut, seine Mutter und seine Gattin sind (freilich abgefallene) Lutheranerinnen, deren Bestes einst ein Bischof Martensen in Kopenhagen, ein Oberhofprediger Bender in Darmstadt gesucht und gewollt hatten, aber verblendet und verschüchtert, geschoben und gedrängt wendet er sich gegen seine Freunde und Wohltäter, um seine Feinde sich zu Freunden zu machen.

Empfohlene Zitierweise:
Hermann von Bezzel: Unsere Feinde. , Ansbach ca. 1915, Seite 5. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hermann_von_Bezzel_-_Unsere_Feinde.pdf/5&oldid=- (Version vom 10.9.2016)