Seite:HerrAdolfBartels.djvu/2

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Was an Adolf Bartels reizt und ihn zum Clown der derzeitigen deutschen Literatur werden läßt, ist seine Unbildung, seine Leichtfertigkeit und eine Oberflächlichkeit, die eigentlich ganz undeutsch ist. Wenn er nicht einen so erbärmlichen Stil schriebe, könnte man auf einen rumänischen Halbwissenschaftler tippen, der die falsch verstandenen Forschungsergebnisse der pariser Universität vor den staunenden Landsleuten, flüchtig und schlecht gruppiert, ausbreitet.

Viele Schriftsteller kennt dieser Literaturhistoriker überhaupt nicht.

Von Rudolf Borchardt, den Blei als einen der Führenden preist, weiß ich noch nichts. Jude wird er ja sein.

Ueber Heinrich Mann:

Gott behüte mich, über diese Werke etwas Näheres zu sagen.

Einmal entschuldigt er seine Unwissenheit so:

Es müssen dem Literaturhistoriker erst wieder alle Bücher zur Verfügung stehen, wenn er Urteile formulieren und zu Gruppen ordnen soll.

Es muß der Literaturhistoriker erst einmal so viel anständige Gewissenhaftigkeit aufbringen, eine Literaturgeschichte nur dann zu schreiben, wenn ihm das nötige Material geläufig ist. Dies hier ist eine unfaire Täuschung des Käufers.

Die Judenriecherei dieses Mannes darf grotesk genannt werden. Ohne sich über die sehr verzwickte Problematik des Juden auszulassen, unterstellt er, primitiv und kenntnislos, den Unwert jedes Juden und fertigt wertvolle Schriftsteller mit der Konstatierung ihrer jüdischen Abstammung ab, ein Verfahren, das man den chauvins und dem Sir Bottomley mit Recht verargt, wenn sie auf boches und huns fahnden.

Diese Karikatur des Deutschtums, ein Kerl, der von Luther viel weiter entfernt ist als der schlimmste galizische Rubelfälscher, sucht sich seine Juden bis ins dritte und vierte Glied, und wenn er keine findet, dann macht er sich welche.

Meyrink hat geleugnet, Jude zu sein.
Bernhard Kellermann, der nach eigner Aussage von fränkischen Bauern abstammt, diesen Eindruck aber eigentlich nicht hervorruft.

Von Alfred Richard Meyer:

Er bestritt mir gegenüber, Jude zu sein.

Dieser letzte Satz ist in die Neuauflage eingefügt worden, nachdem Bartels leichtfertig und wahrheitswidrig Meyer als einen Juden bezeichnet hatte. Bei Meyrink, bei Kellermann und bei A. R. Meyer wird, wenn auch versteckt, die Möglichkeit der Lüge angedeutet. (Man beachte die Terminologie: „Er hat geleugnet, Jude zu sein.“ Vergehen werden geleugnet.)

Ist der Verfasser kein Jude, so wird ihm jüdische Verwandtschaft oder jüdischer Verkehr nachgesagt. Von den Manns:

Brüder, die, weil sie eine portugiesische Mutter haben, dem Judentum so nahe gekommen sind.

Auf derselben Seite steht einer der witzigsten Sätze, die ich je in einer Literaturgeschichte gefunden habe, und zwar über Hans Fischer, einen ehemaligen Pastor, der unter dem Namen Kurt Aram zu schreiben pflegt:

Wohl kaum Jude, aber Redakteur des Berliner Tageblatts ist Hans Fischer.
Empfohlene Zitierweise:
Kurt Tucholsky: Herr Adolf Bartels. Verlag der Weltbühne, Berlin 1922, Jahrgang 18, Band 1, Nummer 12, Seite 291-294, Seite 292. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:HerrAdolfBartels.djvu/2&oldid=- (Version vom 1.8.2018)