Seite:Hoffmann Fantasiestücke in Callots Manier Bd.1 1819.pdf/102

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Meister, man könne von tiefen, geheimnißvollen Dingen, selbst wenn der Geist, mit ihnen innig vertraut, sich freudig und fröhlich erhoben fühlt, nie in gemeinen, sondern nur in erhabenen, herrlichen Worten reden; das Tanzstück der Isispriester kann nur ein hochjauchzender Hymnus seyn.

Die Instrumental-Musik muß da, wo sie nur durch sich als Musik wirken und nicht vielleicht einem bestimmten dramatischen Zweck dienen soll, alles unbedeutend Spaßhafte, alle tändelnden Lazzi[a 1] vermeiden. Es sucht das tiefe Gemüth für die Ahnungen der Freudigkeit, die herrlicher und schöner als hier in der beengten Welt, aus einem unbekannten Lande herübergekommen, ein inneres, wonnevolles Leben in der Brust entzündet, einen höheren Ausdruck, als ihn geringe Worte, die nur der befangenen irdischen Lust eigen, gewähren können. Schon dieser Ernst aller Beethovenschen Instrumental- und Flügel-Musik verbannt alle die halsbrechenden Passagen[a 2] auf und ab mit beiden Händen, alle die seltsamen Sprünge, die possirlichen Capriccios,[a 3] die hoch in die Luft gebauten Noten mit fünf- und sechsstrichigem Fundament,[a 4] von denen die Flügel-Kompositionen neuester Art erfüllt sind. – Wenn von bloßer Fingerfertigkeit die Rede ist, haben die Flügel-Kompositionen des Meisters gar keine besondere Schwierigkeit, da die wenigen Läufe,


  1. Lazzi (ital.), Plural zu lazzo, drollige Gebärde, Posse, Spaß.
  2. Abschnitte des „Übergangs“, meist virtuose Spielfiguren ohne tieferen thematischen Bezug; daher auch oft pejorativ im Sinne von „Blendwerk“ gebraucht.
  3. Capriccio, ein launiges, schrulliges Musikstück.
  4. bezieht sich auf die Hilfslinien zur Notation sehr hoher (oder tiefer) Töne ausserhalb des Notensystems.