Seite:Hoffmann Fantasiestücke in Callots Manier Bd.1 1819.pdf/199

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Bürgersmann, der Herr Professor, der Herr Major ein Nest voll Kinder, so muß Hänschen und Friedrich und Peter singen, und spielen, und mahlen, und Verse deklamiren, ohne Rücksicht, ob der Geist auch nur im mindesten vermag, dergleichen zu ertragen. – Es gehört zur sogenannten guten Erziehung, und nachher glaubt ein Jeder mitschwatzen und den Dichter, den Künstler, in seinem innersten Thun und Treiben durchschauen und nach seinem Maaße messen zu können. – Kann der Künstler tiefer gekränkt werden, als wenn der Pöbel ihn für seines Gleichen hält? – und doch geschieht dieß alle Tage. Wie oft hat es mich angeekelt, wenn so ein stumpfsinniger Bursche von der Kunst schwatzte, den Göthe zitirte, und sich bemühte, einen Geist der Poesie hervorleuchten zu lassen, von dem ein einziger Blitz ihn, den saft- und kraftlosen Schwächling, zermalmt haben würde. Vorzüglich – nimm es nicht übel, Freund! wenn Du etwa eine Frau oder Geliebte der Art haben solltest – vorzüglich sind mir Eure vielseitig gebildeten poetischen, künstlerischen Weiber in den Tod zuwider, und so gern ich mich von einer feinen Mädchenhand streicheln lasse, und meinen Kopf auf eine zierliche Schürze lege, so ist es mir doch oft, wenn ich so eine Frau ohne alles tiefe Gefühl, ohne allen höheren Sinn ins Blaue hinein in allerlei eingelernten poetischen Floskeln schwatzen hörte, gewesen,