Seite:Hoffmann Fantasiestücke in Callots Manier Bd.1 1819.pdf/240

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

hintreten dachte, glaubte ich mich von einem gewissen unwohlthätigen, unheimlichen Gefühl befangen, ich hätte mich nie in ihrer Nähe wohl und gemüthlich befunden.

Berganza. Dein Gefühl war ganz richtig; ich hätte mich, war ihr Arm und ihre Hand auch noch so schön, niemals von ihr streicheln lassen können, ohne einen gewissen innern Abscheu zu spüren, der mich gewöhnlich des Appetits beraubt – ich sage das nur hündischer Weise! – Im Grunde genommen, liegt aber in dem Geschick der Corinna selbst der Triumph meiner Lehre; denn vor dem glänzenden reinen Strahl der Jugend verschwindet in bloßen Schein ihr Nimbus, und in dem ächtweiblichen Streben nach dem geliebten Mann, geht sie in ihrer eignen Unweiblichkeit, oder vielmehr in ihrer verzerrten Weiblichkeit rettungslos unter! – Meine Dame gefiel sich ungemein darin, die Corinna vorzustellen.

Ich. Welche Thorheit, wenn sie nicht wenigstens die wahre Anregung der Kunst in sich spürte.

Berganza. Nichts weniger als das, mein Freund! Du kannst es mir glauben! Meine Dame hielt sich gern auf der Oberfläche, und sie hatte eine gewisse Fertigkeit erlangt, dieser Oberfläche einen Schimmer zu geben, der die Augen mit falschem Licht blendete, so, daß man die Seichtigkeit nicht gewahr wurde. So glaubte sie schon, ihrer wirklich schönen