Seite:Hoffmann Fantasiestücke in Callots Manier Bd.1 1819.pdf/268

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ungemein abgeschmackt erklärt, und da es mehrmals von Kennern verlangt, freuten sie sich auf ihren Triumph, wenn das Stück, wie natürlich, ausgepfiffen werden würde. Recht boßhafter Weise hatte der Regisseur auch von dem heillosen Dichter ganz seine wohlthätige Hand abgezogen, und ihn ganz in seiner natürlichen Rohheit, in seiner Unkenntniß alles theatralischen Effekts bloßgestellt, so daß, wenn er, der Herr Regisseur, nur an die ersten Szenen dachte, er ein vornehmes mitleidiges Lächeln, in dem sich das stolze Bewußtseyn eigner Ueberlegenheit und Größe spiegelte, nicht unterdrücken konnte. – Nun – wer hätte das gedacht! – Gefällt aber das lebendige, herrliche Spiel ganz ungemein – es elektrisirt die Menge – stille Andacht und lauter Jubel wechseln, durch die unwiderstehliche Macht der poetischen Wahrheit des Gedichts angeregt – da giebt es denn eine komische Szene zwischen dem Direktor und dem Regisseur, die Beide etwas verblüfft die Meinung von dem nicht verstandenen Stück, die sie erst unverholen äußerten, nun einander abläugnen. Trifft es sich gar, daß die Schauspieler in einem solchen Stücke recht applaudirt worden sind, so treten auch diese auf die Seite des Dichters, wiewol sie alle im Stillen doch den Unverstand des Publikums belachen, das sich durch die persönliche Vortrefflichkeit