Seite:Hoffmann Fantasiestücke in Callots Manier Bd.1 1819.pdf/272

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Berganza. Allerdings. Aus dem getreuen Beobachten und Auffassen der individuellen Züge einzelner Personen, kann höchstens ein ergötzliches Porträt entstehen, das eigentlich nur dann zu interessiren vermag, wenn man das Original kennt, und durch den Vergleich damit in den Stand gesetzt wird, die praktische Fertigkeit des Malers zu beurtheilen. Als Charakter auf der Bühne wird aber dem zu getreuen Porträt, oder der gar aus einzelnen Zügen mehrerer Porträts zusammengepinselten Personage, immer die innere poetische Wahrheit fehlen, die nur durch die Betrachtung des Menschen von jenem höheren Standpunkte aus, erzeugt wird. – Kurz, der Schauspieldichter muß nicht sowohl die Menschen, als den Menschen kennen. – Der Blick des wahren Dichters durchschaut die menschliche Natur in ihrer innersten Tiefe, und herrscht über ihre Erscheinungen, indem er ihre mannichfaltigste Strahlenbrechung in seinem Geiste wie in einem Prisma auffaßt und reflektirt.

Ich. Deine Ansichten von der Kunst und von dem Theater, lieber Berganza! möchten manchen Widerspruch finden, wiewol vorzüglich das, was Du von der Kenntniß des Menschen und der Menschen sagst, mir recht gut eingeht, und ich darin den Grund finde, warum die Schau- und Lustspiele eines gewissen Dichters,