Seite:Hoffmann Fantasiestücke in Callots Manier Bd.1 1819.pdf/274

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

innere poetische Wahrheit stehen muß, kannst Du leicht selbst ermessen.

Ich. Indessen waren doch seine Intentionen meistentheils gut.

Berganza. Ich hoffe, daß Du das Wort Intention nicht in dem höhern Sinn der Kunstsprache nimmst, sondern nur den wenigstens scheinbar moralischen Zweck der Schauspiele jenes Dichters darunter verstehst, und da muß ich Dir gestehen, daß vielleicht, abgesehen von aller Kunst, von allem Poetischen, jene Schauspiele in der Absicht und dem Erfolg wirklich den erbaulichen Fastenpredigten an die Seite zu stellen sind, die den Gottlosen mit der Hölle drohen, und den Frommen den Himmel versprechen; nur hat der Dichter den Vortheil als Handhaber und Vollstrecker der poetischen Gerechtigkeit, nach Befund, gleich mit dem Schwerte selbst drein schlagen zu können. Belohnung und Strafe, Geldbörsen und Geheimderathstitel, bürgerliche Schande und Festung, Alles ist in Bereitschaft, sobald sich der Vorhang vor dem fünften Akte hebt.

Ich. Mich wundert, daß in diesen Dingen noch eine gewisse Varietät stattfinden kann.

Berganza. Warum das nicht! – Wäre es nicht für unsere Dichter eine herrliche fruchtbare Idee gewesen, die zehn Gebote cyklisch in Schauspielen zu