Seite:Hoffmann Fantasiestücke in Callots Manier Bd.1 1819.pdf/282

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Dichtkunst etwas Anderes als das Leben des Dichters selbst, von jeder Gemeinheit des Alltagslebens angeregt, sich willig den Gemeinheiten selbst hingeben, und die Stunden der Weihe am Schreibtische von allem übrigen Treiben und Thun sorgfältig trennen. – Sie sind selbstsüchtig, eigennützig, schlechte Gatten, schlechte Väter, untreue Freunde, indem sie, sobald der neue Bogen zur Presse soll, das Heiligste in heiligen Tönen verkünden. –

Ich. Was thut aber das Privatleben, wenn der Dichter nur Dichter ist und bleibt! – Aufrichtig gesprochen, ich halte es mit Rameaus Neffen, der den Dichter der Athalia dem guten Hausvater vorzieht.

Berganza. Mir ist es schon fatal, daß man bei dem Dichter, als sey er eine diplomatische Person oder nur überhaupt ein Geschäftsmann, immer das Privatleben – und nun von welchem Leben denn? – absondert. – Niemals werde ich mich davon überzeugen, daß der, dessen ganzes Leben die Poesie nicht über das Gemeine, über die kleinlichen Erbärmlichkeiten der konventionellen Welt erhebt, der nicht zu gleicher Zeit gutmüthig und grandios ist, ein wahrhafter aus innerem Beruf, aus der tiefsten Anregung des Gemüths hervorgegangener Dichter sey. Ich möchte immer etwas aufsuchen, wodurch erklärt würde, wie das, was er verkündet, von außen hineingegangen sey