Seite:Hoffmann Fantasiestücke in Callots Manier Bd.1 1819.pdf/29

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heiligen Antonius die Nase zur Flinte gewachsen, womit er unaufhörlich nach dem Mann Gottes zielt, so vortrefflich – der lustige Teufel Feuerwerker, so wie der Clarinettist, der ein ganz besonderes Organ braucht, um seinem Instrumente den nöthigen Athem zu geben, auf demselben Blatte sind eben so ergötzlich.

Es ist schön, daß Callot eben so kühn und keck, wie in seinen festen kräftigen Zeichnungen, auch im Leben war. Man erzählt, daß, als Richelieu von ihm verlangte, er solle die Einnahme seiner Vaterstadt Nancy graviren, er freimüthig erklärte: eher haue er sich seinen Daumen ab, als daß er die Erniedrigung seines Fürsten und seines Vaterlands durch sein Talent verewige.[a 1]

Könnte ein Dichter oder Schriftsteller, dem die Gestalten des gewöhnlichen Lebens in seinem innern romantischen Geisterreiche erscheinen, und der sie nun in dem Schimmer, von dem sie dort umflossen, wie in einem fremden wunderlichen Putze darstellt, sich nicht wenigstens mit diesem Meister entschuldigen und sagen: Er habe in Callot’s Manier arbeiten wollen?



Anmerkungen (Wikisource)

  1. 1633 produzierte Callot – angeregt von seinen Erlebnissen bei der Invasion Lothringens durch Kardinal Richelieus Truppen – einen Zyklus von 18 Radierungen unter dem Titel Les Misères et les Malheurs de la guerre – Das Elend und Unglück des Krieges. Zu der Anekdote siehe Portal Westfälische Geschichte, besonders Anmerkung 3.