Seite:Hoffmann Fantasiestücke in Callots Manier Bd.1 1819.pdf/46

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ich hatte mich bereitet dazu durch Fasten und Gebet, weil ich weiß, daß der Euphon von diesen Massen viel zu sehr bewegt wird und unrein anspricht!

Wenn ich auch eingestehen muß, daß Mozarts Meisterwerke größtentheils auf eine kaum erklärliche Weise hier vernachläßigt werden, so erfreuen sich doch Glucks Werke gewiß einer würdigen Darstellung.

Meinen Sie? – Ich wollte einmal Iphigenia in Tauris[a 1] hören. Als ich ins Theater trete, höre ich, daß man die Ouvertüre der Iphigenia in Aulis spielt. Hm – denke ich, ein Irrthum; man giebt diese Iphigenia! Ich erstaune, als nun das Andante eintritt, womit die Iphigenia in Tauris anfängt, und der Sturm folgt. Zwanzig Jahre liegen dazwischen! Die ganze Wirkung, die ganze wohlberechnete Exposition des Trauerspiels geht verlohren. Ein stilles Meer – ein Sturm – die Griechen werden ans Land geworfen, die Oper ist da! – Wie? hat der Komponist die Ouvertüre ins Gelag hineingeschrieben, daß man sie wie ein Trompeterstückchen abblasen kann, wie und wo man will?

Ich gestehe den Mißgriff ein. Indessen, man thut doch alles, um Glucks Werke zu heben.

Ei ja! sagte er kurz, und lächelte dann bitter und immer bittrer. Plötzlich fuhr er auf und nichts vermochte ihn aufzuhalten. Er war im Augenblicke


  1. Iphigénie en Tauride (1779), Oper von Gluck.