Seite:Hoffmann Fantasiestücke in Callots Manier Bd.1 1819.pdf/49

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Hause stillstand. Ziemlich lange hatte er gepocht, als man endlich öffnete. Im Finstern tappend erreichten wir die Treppe und ein Zimmer im obern Stock, dessen Thüre mein Führer sorgfältig verschloß. Ich hörte noch eine Thüre öffnen; bald darauf trat er mit einem angezündeten Lichte hinein und der Anblick des sonderbar ausstaffirten Zimmers überraschte mich nicht wenig. Altmodisch reich verzierte Stühle, eine Wanduhr mit vergoldetem Gehäuse, und ein breiter, schwerfälliger Spiegel gaben dem Ganzen das düstere Ansehn verjährter Pracht. In der Mitte stand ein kleines Klavier, auf demselben ein großes Dintenfaß von Porzellan, und daneben lagen einige Bogen rastrirtes Papier.[a 1] Ein schärferer Blick auf diese Vorrichtung zum Komponiren überzeugte mich jedoch, daß seit langer Zeit nichts geschrieben seyn mußte; denn ganz vergelbt war das Papier und dickes Spinnengewebe überzog das Dintenfaß. Der Mann trat vor einen Schrank in der Ecke des Zimmers, den ich noch nicht bemerkt hatte, und als er den Vorhang wegzog, wurde ich eine Reihe schön gebundener Bücher gewahr mit goldnen Aufschriften: Orfeo, Armida, Alceste, Iphigenia u. s. w., kurz, Glucks Meisterwerke sah ich beisammen stehen.

Sie besitzen Glucks sämmtliche Werke? rief ich.

Er antwortete nicht, aber zum krampfhaften


  1. ein mittels Rastral mit Notenlinien versehenes Papier.