Seite:Hoffmann Fantasiestücke in Callots Manier Bd.1 1819.pdf/57

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Freund, der neben ihm wohnte, um ihm alles in der höchsten Begeisterung vorzuspielen, was er in unglaublicher Schnelle aufgeschrieben – er vergoß Thränen der Freude über das gelungene Werk – er pries sich selbst als den glücklichsten Menschen, aber den andern Tag – lag die herrliche Komposition im Feuer. – Der Gesang wirkte beinahe verderblich auf ihn, weil seine Fantasie dann überreizt wurde und sein Geist in ein Reich entwich, wohin ihm Niemand ohne Gefahr folgen konnte; dagegen gefiel er sich oft darin, Stundenlang auf dem Flügel die seltsamsten Themas in zierlichen kontrapunktischen Wendungen und Nachahmungen, in den kunstreichsten Passagen auszuarbeiten. War ihm das einmal recht gelungen, so befand er sich mehrere Tage hindurch in heiterer Stimmung, und eine gewisse schalkhafte Ironie würzte das Gespräch, womit er den kleinen gemüthlichen Zirkel seiner Freunde erfreute.

Auf einmal war er, man wußte nicht wie und warum verschwunden. Viele behaupteten, Spuren des Wahnsinns an ihm bemerkt zu haben, und wirklich hatte man ihn mit zwei über einander gestülpten Hüten und zwei Rastralen,[WS 1] wie Dolche in den rothen Leibgürtel gesteckt, lustig singend zum Thore hinaus hüpfen gesehen, wiewohl seine näheren Freunde nichts Besonderes bemerkt, da ihm gewaltsame Ausbrüche, von irgend

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Rastral, ein gabelähnliches Gerät zum ausziehen von Notenlinien.