Seite:Hoffmann Fantasiestücke in Callots Manier Bd.1 1819.pdf/9

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haben, – wie Autoren mit der Herausgabe ihrer Werke, – eben so mit der Anzeige zurückzuhalten, wenn auch nicht immer Horazische neun Jahre.[a 1] Was das deutsche Publikum dabei gewinnt, weiß es selber am besten, und schlägt die Verzug-Zinsen an. Gute Schriftsteller, die längst vergessen, lernt es kennen bei solcher Gelegenheit auf der kritischen Poste restante,[a 2] und vergißt sie nicht mehr; denn wenn nach D’Alembert[a 3] das leichte Behalten der Verse ein Zeichen von deren Güte, so noch mehr das Behalten eines ganzen Buches, in dem weniger eisernen als quecksilbernen Gedächtnisse des Publikums. Dieses läßt fast, wie Cicero von Cäsar rühmt, daß er nichts vergesse, außer Beleidigungen, auf eine ähnliche schöne Weise nichts so leicht aus dem Gedächtniß fahren, als Bücher; eben als die wahren Beleidigungen,

Anmerkungen (Wikisource)

  1. In seiner Epistel De arte poetica (Vers 388-89) fordert Horaz: „Nonumque prematur in annum / membranis intus postis“ – Neun Jahre halt es unsichtbar und lass die Handschrift eingeschlossen ruhen.
  2. Postlagernd
  3. Jean-Baptiste le Rond d’Alembert (1717-1783) in seiner Réflexions sur l’Ode (1753).