Seite:Hogarth erklärt von Lichtenberg (Kottenkamp Stuttgart 1840).pdf/537

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doch in der That rührend, wenn man bedenkt, daß beide bloß ihrer Verbindung wegen hier sitzen, und jeder ohne den andern vielleicht etwas sehr viel Besseres hätte sein können. Dennoch halten sie zusammen, wie aus einem Stück (sehen auch fast so aus), und füttern einander wechselseitig mit Hoffnungen und Kohlen bis zum Tag der Lösung des großen Problems. Weit kann dieser Tag hier unmöglich entfernt sein. Die Abzugs-Röhre durch das Gitterfenster ist zu gut angelegt, – es kann nicht fehlen; die Anstalt hingegen, wodurch das große Product in die Flasche geleitet werden soll, gar nicht sonderlich – es muß fehlen. Ob Hogarth selbst ein Kenner war, ob er hier durch einen Kenner geleitet worden ist, oder ob er durch Kunsttrieb des Genies den Griffel zu einem Zweck richtig führte, den er selbst nicht übersah, lassen wir unentschieden. Genug der circulus in destillando ist hier nicht zu verkennen; die Vorlage ist dem Feuer näher als die Retorte, und während beide um den Besitz der Tinctur streiten, nimmt das unermeßliche Weite draußen Alles zu sich, und so ergibt sich die Auflösung des Problems; freilich durch einen Ausdruck, an den man bei der Frage nicht dachte, der aber nichts destoweniger die Frage auch beantwortet. Durch das Gitter-Fenster steckt etwas, das man fast für ein Instrument halten sollte, bei verwickelten chemischen Fällen die Planeten mit in den Rath zu nehmen, wenn das Stativ nicht von allzu eingeschränktem Gebrauch und überhaupt zu unbequem wäre, zumal für Personen, die gewohnt sind, mit dem rechten Auge zu observiren. Auch läge der Lichtfang des Sehrohres etwas zu nahe am Rauchfange des Ofens. Es ist auch wohl überhaupt kein Rohr, sondern nichts weiter, als ein derber, solider Cylinder, den schweren Fensterladen damit aufzustoßen oder zu schließen. – Rechter Hand oben stehen einige numerirte Gefäße. Sie scheinen leicht zu sein, weil sie sich so hoch halten. Ob aber dieses auch von den Büchern der hangenden Bibliothek gilt, ist nicht so leicht auszumachen; der Titel Philosophica läßt wenigstens die Sache noch zweifelhaft. Ein Wunder ist es, daß Hogarth bei dieser Bibliothek die Gelegenheit ungenützt gelassen hat, einigen damaligen Werken seiner Landsleute den doppelten Liebesdienst zu erzeigen, sie als Gefangene im