Seite:Hogarth erklärt von Lichtenberg (Kottenkamp Stuttgart 1840).pdf/66

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Seite ein wenig nobilitirt, ist schon etwas ältlich, etwas abgejagt und etwas matt. Die Hündin, bloß bürgerlich, aber rasch und munter, hat keine Neigung zu schlafen, am allerwenigsten wenn der schläft, mit dem sie durch eine derbe Kette von Hals zu Hals[1] ver–lobt ist. Die kleine Bestie sieht sich ziemlich gierig nach etwas um, vermuthlich nach einem – Procurator. Der schwarze Fleck am Ohre des Hundes ist kein bon-ton-Pflaster. Ueber dem Canapee an der Wand hat Hogarth einen Leuchter aufgehängt. Die beiden Arme desselben, die die Kerzen tragen, sind ineinander geschlungen (auch ein Verlöbniß), aber die beiden Kerzen selbst brennen gerade so wie die beiden Herzen unten darunter. Oder deuten etwa die Kerzen mehr auf den linken Flügel, wo der Procurator commandirt? Mir ist dieses wahrscheinlicher als jenes, weil beide noch frisch und unangebrannt sind, und weil wirklich der eine Leuchter-Arm ganz von der Seite kommt, und sich, aller Symmetrie zuwider, um den Hauptarm schlingt. Hätte Hogarth auf den rechten Flügel hinweisen wollen, so wäre vermuthlich ein abgebranntes Stümpfchen mit dabei gewesen. Noch brennen sie nicht, sind aber dazu fix und fertig; es fehlt zum Anzünden nur noch die Nacht, und die – wird kommen.

Vor dem aufgeschobenen Fenster steht noch ein anderer Leidtragender aus der zweiten Facultät. Er scheint etwas mehr zu seyn, als der dort auf dem linken Flügel, eines Theils weil er weniger thut, und dann weil er wirklich bereits das goldene Vlies der englischen Themis um sein Haupt geschlagen trägt. Denn Niemand trägt dieses Fell, der nicht schon Fett und Fleisch sicher in der Speisekammer hat. In seiner Linken hält er den Plan zu dem neuen Pallast des alten Grafen, und vergleicht den Entwurf mit der Ausführung. Dabei geräth er in solches bewunderndes


  1. Aus der Kette von Hals zu Hals in dieser Spiegel-Scene sollte man fast schließen, daß der junge Lord und seine Dame auch schon an der Kette lägen. Wäre dieses, so würde freilich der Unwille im Gesichte der letzteren, und die Verlegenheit in den Mienen des ersteren eine leichtere Erklärung leiden.