Seite:Hogarth erklärt von Lichtenberg (Kottenkamp Stuttgart 1840).pdf/67

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Erstaunen, daß darüber Unterkinn und Nase, die sonst in seinem Gesichte nahe Nachbarn sind, und die fünf Finger der rechten Hand auseinandergehen. Wenn diese Bewunderung nicht gar eine geheuchelte ist, so ist wenigstens so viel gewiß, kunstkennerisch ist sie nicht, sondern bloß juristisch, denn das Gebäude ist abscheulich. Die obern Säulen treffen nicht auf die untern, die Säulen-Stühle sind runde cannelirte Blöcke, die Fenster zu den Souterrains dreieckig; neben der Hauptfaçade liegt die finstere Kutschen-Remise, die ihr Bischen Licht durch ein rundes Loch und einen Cirkelabschnitt erhält, der so tief liegt, daß es ohne Abschnitt vom Kutscher oder der Kutsche beim Einfahren kaum abgehen kann, und so geht es durchaus. Allein die Geschmacklosigkeit, Stupidität und tolle Verschwendung des alten Herrn zu zeigen, ist nicht die einzige Ursache, warum der Künstler das Fenster aufgeschoben hat. Es ist kein Geld da, will er uns sagen, ein Gerüste und keine Arbeiter, der Bau steht stille, ja es scheint fast, als hätte die Zeit schon hier und da angefangen selbst wieder abzubrechen. Was da im Hofe herum wimmelt, sind keine Bauleute, sondern entweder Tagdiebe aus dem Hause selbst (überflüssige Dienerschaft), oder Bediente, deren Herrschaften das Gebäude besehen und belachen, und das Alles dem Nachkömmlinge Wilhelms des Eroberers zu Ehren. –

So eben, da der Erklärer dieser Blätter sich zu der Gemälde-Sammlung in diesem Zimmer wenden will, bemerkt er, daß es ihm mit der Guinee, die da im Bilde halb schon unter dem Kehricht, der Sportel-Casse der Bedienten, liegt, beinahe ergangen wäre, wie den drei Kupplern am Tischchen mit dem klingenden Originale selbst. Er hätte sie fast über den andern Schätzen dieses Blattes, die noch aufzudecken sind, vergessen. Das Versehen war dießmal vorteilhaft; es selbst enthält die beste Erklärung, so wie diese wiederum, für den gütigen Leser wenigstens, die beste Entschuldigung.

An den Wänden umher hängen Gemälde, die, der übrigen Mannigfaltigkeit unbeschadet, alle auf grauenvolle Schilderungen zeitlichen Unheils hinauslaufen. Krieg, Mord, Marter, Ueberschwemmung, Pestilenz und theure Zeit, Kanonen und Kometen überall, und das Alles in einem