Seite:Hogarth erklärt von Lichtenberg (Kottenkamp Stuttgart 1840).pdf/70

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auch wegen der verkehrten Haushaltung. Eigentlich also geht die ganze Verlobungs-Scene auf dem Boden des rothen Meeres vor, und so etwas hätte wohl hier werden können, wenn das an der Wand gemalte Blut hier wirklich geflossen wäre, oder gar das hierher zu strömen angefangen hätte, auf welches der Kometen-Schweif hindeutet.

Zum Beschluß noch eine kleine Rechnung: Das gräfliche Wappen ist hier neunmal gewiß, und wahrscheinlich eilfmal angebracht; einmal über dem Prachthimmel; zweimal an den Krücken; einmal am Fußschemel; einmal am Stuhle des Alderman; einmal über der Familien-Meduse am Wandleuchter; einmal über dem Spiegel; einmal unter dem Spiegel-Tischchen, und einmal an dem schläfrigen Jagdhunde. Die beiden wahrscheinlichen sind die, wovon das eine durch die Perrücke des alten Grafen, und das andere durch den Haarbeutel des jungen Viscounts an ihren Sitzlehnen verdeckt wird. Um das Dutzend durch ein drittes wahrscheinliches, an der Jagdhündin, voll zu machen, erlaubt unsere Commentator-Ehre nicht, da wir uns einmal vorgenommen haben zu glauben, dieses muntere Thier sey bloß bürgerlich. Am Stammbaume findet sich das Wappen leicht noch vierzehnmal. So etwas läßt doch fast wie Allgegenwart.

Für die Besitzer der Original-Kupferstiche merken wir noch an, daß in unserer Copie, durch die mit Fleiß unterlassene Umzeichnung, Alles nun wieder ebenso steht, wie auf dem eigentlichen Original-Gemälde. Der Procurator schneidet seine Feder wieder mit der rechten Hand; der Held trägt sein Schwert wieder an der linken Seite, und der alte Graf legt wieder die rechte Hand auf das Herz. Ich glaube, diese unsere Rückübersetzung des englischen Kupferstichs in die primitive Wohlanständigkeit des Gemäldes, ist hier nicht ganz ohne Verdienst. Welcher Mann von Geburt legt bei einer Versicherung die linke Hand auf das Herz? – Meint er es nicht redlich, so kann er freilich nicht verlangen, daß die Welt am Ende sagen soll, er habe es redlich gemeint: aber das, dünkt mich, kann ein Mann von Stand verlangen, daß, wenn er betrügt, die Welt wenigstens sagt, er habe mit Würde betrogen.