Seite:Hogarth erklärt von Lichtenberg (Kottenkamp Stuttgart 1840).pdf/190

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ist unmöglich, das Kleeblatt von Köpfen, die hier contrastirt sind, ohne Lächeln anzusehen. Im Auge des Weibes, es sey nun Wärterin oder Mutter, Geduld und mütterliche Sorgfalt; in dem des Adlers drohender Anspruch auf eine Portion, nicht vom Brei, sondern vom Kinde selbst; beide auf ein kümmerliches Klümpchen von Mamsellen-Masse hingespannt, das nur bloß in dem dunkeln Gefühl des Contrasts zwischen Raubvogel und Mutter zu leben scheint. Der Adler hat hier keine Krallen, aber dafür Frauenzimmer-Füße. Der Unterschied ist nicht so groß, als er scheint. Es bleiben Fang-Füßchen vor wie nach, wenigstens wird das Schicksal der jungen Hasen durch den Wechsel um nichts gebessert.

Nun sind wir endlich so weit, als wir nothwendig seyn mußten, um etwas Zweckmäßiges über die Aufschrift des Stücks sagen zu können. Sind dieses nun Comödianten oder Comödiantinnen? Ueber den Ganymed haben wir bereits entschieden. Also blieben bloß noch Amor, Jupiter und die Teufel. Die letzten sind wohl nicht aus dem schönen Geschlecht. Aber Amor? O! der gehört sicherlich dazu. Ich glaube, der Gebrauch ist sogar hergebracht, daß Liebesgötter meistens auf den Bühnen von Mädchen vorgestellt werden, und das ist ein sehr weiser Gebrauch. Wenn ein Knabe den Liebesgott bei uns vorstellt (bei uns, heißt hier: bei unserer Höhe der Sonne): so kommt gemeiniglich zu viel Bedeutung in die Rolle oder gar keine. Ich habe beides gesehen, und da hat man dann zwischen leerem Puppenspiel und amour à la Grenadière zu wählen. Hingegen erfüllen die kleinen Mädchen gewöhnlich die Rolle ganz. Sie lernen in Naturangelegenheiten, wobei überhaupt Wissen sehr entbehrlich ist, die Form viel früher kennen, als die Materie, und sind schon dann so richtig, als consequent, daß das erwachsene Mädchen ein Jahr nach der Confirmation nichts weiter nöthig hat, als die bisherige täuschende Hülle nun nur noch im Geist und in der Wahrheit zu beziehn. Der Knabe, wenn er wirklich männlichen Geschlechts ist, muß immer wissen, ehe er thut, und wie kann ein solches Geschöpf, das wissen muß, was es thut, die Liebe vorstellen? Auch, sollte ich denken, wäre bei diesem Militär der Sieg