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Gleich Stern und Ewigkeit

10
Lebt er in Höhn jetzt, die das Leben flieht,

Mitleidig selbst dem Neid –:
Und hoch flog, wer ihn auch nur schweben sieht!

O Vogel Albatross!
Zur Höhe treibt’s mit ew’gem Triebe mich!

15
Ich dachte dein: da floss

Mir Thrän’ um Thräne – ja, ich liebe dich!


 Vogel-Urtheil.

Als ich jüngst, mich zu erquicken,
Unter dunklen Bäumen sass,
Hört’ ich ticken, leise ticken,
Zierlich, wie nach Takt und Maass.

5
Böse wurd’ ich, zog Gesichter,

Endlich aber gab ich nach,
Bis ich gar, gleich einem Dichter,
Selber mit im Tiktak sprach.

Wie mir so im Versemachen

10
Silb’ um Silb’ ihr Hopsa sprang,

Musst ich plötzlich lachen, lachen
Eine Viertelstunde lang,
Du ein Dichter? Du ein Dichter?
Stehts mit deinem Kopf so schlecht? –

15
«Ja, mein Herr! Sie sind ein Dichter!»

– Also sprach der Vogel Specht.

Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Nietzsche: Idyllen aus Messina. E. Schmeitzner, Chemnitz 1882, Seite 275. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Idyllen_aus_Messina-Nietzsche-1882.djvu/7&oldid=- (Version vom 1.8.2018)