Seite:Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft 1 (1843).pdf/114

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Liste.png J. P. Jordan: Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Erster Jahrgang

was über diese Begebenheit von Seiten der Juden in hebräischer Sprache erschienen ist; vielleicht bietet sich auch bald die Gelegenheit dar, selbst in diesen Jahrbüchern aus den andern vorhandenen Quellen das zu ergänzen, was die Dunkelheit dieses Aufstandes zu beleuchten geeignet ist, zumal fast alle Productionen von solchen Zeitgenossen herrühren, welche diese Begebnisse mit erlebt haben. – Ausser den Arbeiten Sabbati's, der sich nach Mähren geflüchtet und dessen schönes hebr. Epitaph man noch auf dem Judenkirchhof zu Holleschau lesen kann, haben noch folgende Schriftsteller dieses Thema beschrieben: 1) Mëir Ben Samuel, aus Sczeberschin. Dieser schrieb noch während der Ereignisse das Werkchen „Zuk ha-’Ittim, oder Geschichte der Judenverfolgungen in Lithauen, Russland und Polen, veranlasst durch die Empörung der Kosaken in den Jahren 1648 u. 1649.“ Zuerst gedruckt in Krakau 1650. 4., also gleich in dem ersten Jahre nach dem Ereignisse; hierauf Venedig 1656. 8. bei Giov. Imberto, also nach kaum sieben Jahren. Von dieser Schrift sagt Hottinger in seiner Bibliotheca orientalis, dass der Styl concis und edel gehalten sei, was sich freilich von der Beschreibung Sabbati's nicht sagen lässt. 2) Natan-Neta Ben Mose aus Hannover, der während der blutigen Verfolgungen in Saslaw unweit Ostrow gewohnt, aber dem Tode durch eine Flucht nach Livorno entging. In dieser Stadt Italiens, so wie dann in Venedig ergab er sich ganz dem Studium der jüdischen Mystik, wurde später Rabbiner der Juden in Jassy, kehrte dann nach Italien zurück, wo er unweit Padua starb. Er beschrieb unter dem Titel Jewen Mezula ausführlich die Ereignisse der genannten Jahre, so weit sie für die jüdische Geschichte von Interesse sind, und es erschien in Venedig 1653. 4. bei Imberto, später in einer jüdisch-deutschen Uebersetzung in Amsterdam 1696. 8. bei Uri Phöbos. 3) Samuel Phöbos in Gemeinschaft mit Natan Feidel, ebenfalls Zeitgenossen. Sie schrieben unter dem Titel Tit ha-Jawen ebenfalls eine Geschichte dieser Verfolgungen, welches Werkchen in Venedig s. a. (aber nicht lange nach der Begebenheit) 8. erschienen ist. 4) Mordechai Ben Naftali Hirsch, aus Kremsier in Mähren und damals in Krakau wohnhaft. Er schrieb ein Trauerlied (Kina) über die Blutzeugen der zwei Jahre 1648 u. 1649. Es erschien in Amsterdam s. a. 4., mit einem Commentar und findet sich noch handschriftlich in der Bibliothek zu Oxfort (Bibl. Opp. N. 1610.). 5) Mose Mordechai Ben Samuel, in Krakau. Er schrieb ein Busslied (Selicha) zum Andenken der Märtyrer jener Jahre, welches der Ausgabe der Busslieder (Selichot) zu Dyrenfurt 1702 beigedruckt wurde. Auch erschien es Frankf. a. d. O. s. a. 8. 6) Jom-Tob Lippmann Heller[1], der in Stemirew in Lithauen, Wladimir in Wolynien, in Przemysl und endlich in Krakau Rabbiner war und auch in der Mathematik und in der Sprachwissenschaft sich Kenntnisse erworben hatte, wie seine zahlreichen Werke beweisen. Dieser, bei jenen Ereignissen schon ein Greis, schrieb ein Heftchen Busslieder über diese Verfolgungen unter dem Titel: „Selichot 'al Geserat Ukraine“, welches in Prag s. a. 8. erschienen ist[2]. Ausserdem sind aber noch viele andere Busslieder und Fürbitten anonym erschienen, die theils unter dem im Ritual aufgenommenen Bussgebeten für den 20. Siwan sich finden, theils noch besonders erschienen sind. Unter diesen verdient noch besonders hervorgehoben zu werden die „Fürbitte für die im Jahre 1648 Erschlagenen (Bekascha 'al haruge Tach)“, zu welcher ein gewisser Mose Kohen, Rabbiner in Metz, einen Commentar geschrieben. Es erschien in Amsterdam 1699. 4. – So viel wusste ich, bei der Schwierigkeit der Herbeischaffung der Notizen, über das Literarhistorische beizubringen, das auf den Kosakenaufstand Bezug hat. Ohne Zweifel giebt es noch mehrere hebräische Relationen, die wohl eine Berücksichtigung verdienen;


  1. Seine Biographie unter dem Namen Megillat Ebah, von ihm selbst beschrieben, wurde von Dr. Jost in's Deutsche übertragen und in Sulamith VII. Jahrg. Bd. 2 Heft 3 abgedruckt. In Breslau wurde vor einigen Jahren eine besondere Ausgabe davon veranstaltet.
  2. Diese Busslieder finden sich nicht einmal bei den Bibliographen angegeben.
Empfohlene Zitierweise:
J. P. Jordan: Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Erster Jahrgang. Robert Binder, Leipzig 1843, Seite 103. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Jahrb%C3%BCcher_f%C3%BCr_slawische_Literatur,_Kunst_und_Wissenschaft_1_(1843).pdf/114&oldid=- (Version vom 3.11.2018)