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Liste.png J. P. Jordan: Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Erster Jahrgang

ist wahrscheinlich Bannoma, Wannoma, Wendenland; eben so die Indi des Mela und Plinius baltische Windi. Die Venedi des Plinius sitzen zwischen den Sarmaten und Scirren, die des Tacitus zwischen den Peucinern und Fennen; beide Schriftsteller zusammen begränzen somit die damaligen Wohnsitze der Slawen (§. 8. 5.). Ptolemaios setzt die Weneden zwar an den „wendischen Meerbusen (Ostsee)“, allein von den vielen Völkerschaften, die er zwischen diesen und den Peucinern und Roxolanern aufzählt, sind die meisten auch slawischen Stammes. Endlich kennen auch die Peutingerschen Tafeln im II. u. III. Jahrh. die Venedi jenseits der Karpathen. Zu Ende des IV. und im V. Jahrh. durchzogen die Longobarden das Wenedenland, wie Paul Warnefried bezeuget. Die Odhinsage bei Snorre Sturleson ist ihrem geographischen Inhalte nach wahr; die Wanen darin sind wie früher Wanden, Wenden, Veneden, und wohnten seit jeher den Scandinaviern östlich. Von diesen älteren weniger klaren Zeugnissen über die alten Venedi ist nun kein grosser Sprung zu den gründlichen, zuverlässigen und umfangreichen Berichten der neueren Historiker, unter denen Jornandes und Prokopios oben an stehen. Der Name dieser Weneden selbst kommt in den Urkunden in den verschiedensten Formen vor und wird auch in nichtslawischen Ländern angetroffen; wie in den adriatischen, den armorischen Weneden, den Henetern in Paphlagonien, den Vindeliciern in Süddeutschland und den Wandalen; die Wurzel aller dieser verschiedenen Formen ist Wind; von der Grundbedeutung derselben giebt es aber bis diesen Augenblick keine genügende Erklärung. — §.9. Die Serben. Unter diesem Namen sind die Slawen in den Werken der Alten wenig bekannt; nur Plinius findet am Maiotis „Serbi“ und Ptolemaios zwischen den keraunischen Gebirgen (Kaukasus) und der Rha (Wolga) ebenfalls „Serbi“ (oder „Sirbi“). Von diesen sich widersprechenden Angaben über die Sitze derselben nimmt Schafarik die des Plinius für die glaubwürdigere und wahrscheinlichere. Später gibt Prokopios Spori (verderbt für Srbi) als den „alterthümlichen“ und „allgemeinen“ Namen der Slawen an. Endlich trennt bei Vibius Sequester die Elbe die „Suevos a Cervetiis“, was Oberlin ganz grundfalsch mit Cherusci gegeben, während „Servitiis“, das einige Codices haben, festzuhalten und Serbi darunter zu verstehen ist. Der Name Serb selbst endlich, dessen Wurzel nach Schafarik ser, verwandt und ähnlich bedeutend mit sir und syn ist, bezeichnet „weiter nichts als Nation, gens, in welcher Bedeutung ihm das indische von derselben Wurzel entstandene serim (natio) vollkommen entspricht.“ — Das Resultat aller dieser Erörterungen ist also : „dass der slawische Stamm bereits in den urältesten Zeiten ein grosser und volkreicher und seit jeher, d. h. eben so lange, wie die verwandten Stämme der Thraken, Romanen, Kelten, Germanen und Lithauer, in Europa angesessen war; und dass 2) derselbe vom V. Jahrh. vor Christo bis zum V. Jahrh. nach Christo in den Ländern zwischen der Ostsee und dem schwarzen Meere, zwischen den Karpathen, dem Don, der obern Wolga und dem Gebiete der Finnen hinter Nowgorod unter dem Namen Winden und Serben gewohnt habe.“ §. 10. Die slawischen Völkerschaften im alten Serbenlande. Die eben begränzte Heimath der Slawen war in der frühesten Zeit von den verschiedensten Völkerschaften bewohnt, die bald dem nordischen (Finnen, Skythen), bald dem indoeuropäischen (Sarmaten, Kelten, Deutsche, Lithauer, Thraker), grösstentheils jedoch dem slawischen Volksstamme angehörten. Zu letzterem rechnet nun Schafarik: A. bei Herodot 1) die Budiner, im jetzigen Wolynien und Weissrussland; 2) die Neuren oder Nuren neben jenen im Dnjestergebiete. B. bei Ptolemaios: von seinen mehr als 50 Völkerschaften im europäischen Sarmatien sind die Weneden, Bulanes, Arsieten, Saboci, Piengitae, Biessi, Stawani, Igilliones, Coestoboci (Kostoboci), Tranomontani, Weltae, Karbones, Kareotae, Pagyritae, Sawari, Borusci, Akiwi, Nasci, Iwiones, Idrae, Sturni, Kariones, Karpiani, Gewini, Bodini, Amadoci, Nawari, Tagri und Tyrangitae ächt slawisch, während die übrigen wahrscheinlich zu den oben angegebenen fremden Volksstämmen gehören; bei den späteren Schriftstellern kommen ausser diesen keine andern zweifelhaft slawischen Völkerschaften mehr vor. §. 11. Die Slawen in den Donauländern und die

Empfohlene Zitierweise:
J. P. Jordan: Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Erster Jahrgang. Robert Binder, Leipzig 1843, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Jahrb%C3%BCcher_f%C3%BCr_slawische_Literatur,_Kunst_und_Wissenschaft_1_(1843).pdf/19&oldid=- (Version vom 5.7.2018)