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Liste.png J. P. Jordan: Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Erster Jahrgang

wie überhaupt die wahrhafte Ursache der Unterjochung findet M. in ihrer Zukunft verborgen liegend; die Slawen waren, meint er, ihrer Nation nach nicht fähig, Bürger des byzantinischen Reiches zu werden, sondern konnten nur seine Sklaven sein; daher die Niederlage Serbiens und der plötzliche Sturz des byzantinischen Reiches, welcher letztere nur dadurch erklärlich wird, dass man bedenkt, dass der grösste Theil der Einwohner des morgenländischen Kaiserreichs slawisch war. So hält der Verf. die Lakonen und die alten Pelasger für Slawen, nur von den Spartanern, den Helenen, Achairen und Doren überwältigt. Sie waren physische Ursache des Zerfaliens von Byzanz. Bekanntlich verwandten die Türken ihre slawische junge Mannschaft zu Land-, die griechische zu Seetruppen und in der Typlomaci. Die Türken selbst sind Ursache, dass sich dieses Verhältniss in der Neuzeit geändert hat und die Urbevölkerung dieses Landes sich Auge in Auge gegenübersteht. „Das Schicksal und die Lage der die Griechen hassenden, die Lateiner fürchtenden und durch die Türken unterjochten Slawen sind in der serbischen Poesie unter der fabelhaften Person des Königssohnes Marko dargestellt. Diese Idee führt der Verf. aus einigen Gedichten und anderen Andeutungen weiter durch. In der dritten Periode ist das schönste Gedicht das von der Vermählung des Maxim Cernojewicz. „Ohne Zweifel besitzt keine einzige Literatur etwas ähnliches, was in jedem Betracht so vollständig, so gut durchgeführt und zugleich in den Einzelnheiten so vollendet wäre“, sagt M. S. 338. Maxims Vater, Iwan, herrschte in Cernagora (Montenegro), ein Land, dessen gegenwärtige Verfassung, dessen ganzer Zustand uns recht lebhaft das Bild des ehemaligen Lebens der Slawen darstellt. Der Verf. schildert dasselbe mit einer gewissen Vorliebe und geht dann zur Erzählung jenes Vermählungsgedichtes über. Damit schliesst die erste Abtheilung des ersten Theiles.

 3. Die schön-wissenschaftliche Literatur der Russen. Auserwähltes aus den Werken der vorzüglichsten russischen Poeten und Prosaisten älterer und neuerer Zeit. Ins Deutsche übertragen und mit (einer) historisch-kritischen Uebersicht, biographischen Notizen und Anmerkungen begleitet von C. Wilhelm Wolfsohn. Leipzig 1843. I. Bd. Gedichte. 1. Abtheilung. XXIV und 376 Seiten.

 Von diesem Buche haben wir bereits einmal Erwähnung gethan und es als ein mit grossem Fleisse ausgearbeitetes bezeichnet, das Deutschland’s Ansichten über die russische Belletristik bedeutend verändern werde. Wir können nämlich der Meinung Schewirjew’s, dessen Ansichten über die gegenwärtige russische Literatur wir im 1. Heft der Jahrb. mittheilten, als sei die russische Literatur bereits in dem Grade emporgestiegen, dass sie in der Belletristik, besonders im Roman, welcher dort angezogen wird, sich mit den westlichen Literaturen messen könnte, keineswegs beipflichten. Die russische Literatur dünkt uns zu jung dazu; auch sind die politischen socialen Verhältnisse viel zu wenig günstig, als dass im Verlaufe noch nicht eines vollen Jahrhunderts ein solcher Aufschwung hätte erfolgen können. Hr. W. hat es nun übernommen, Deutschland durch eigene Anschauung erkennen zu lassen, bis zu welchem Grade sich die russische Belletristik in der Gegenwart entwickelt hat; seine Pflicht ist es, uns das Beste zu bieten, was die Russen besitzen, und von diesem Standpunkte aus dünkt uns der Entschuldigungsgrund, der Verf. habe die Materialien zu seinem Buche nur unvollständig und mit Mühe herbeischaffen können, weniger triftig, als dass wir demselben im Geringsten von jener Verpflichtung freisprechen könnten. Die Ehre der russischen Nation, an welcher er mit solcher Liebe zu hängen behauptet, fordert hier alle mögliche Sorgfalt und Umsicht. Der erste Band enthält die historisch-kritische Uebersicht und Gedichte. Ueber die erstere haben wir uns öffentlich weitläuftig ausgesprochen und wiederholen hier nur in Kurzem, dass wir eine Uebersicht des bisherigen Entwickelungsganges der russischen Literatur allerdings

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J. P. Jordan: Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Erster Jahrgang. Robert Binder, Leipzig 1843, Seite 202. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Jahrb%C3%BCcher_f%C3%BCr_slawische_Literatur,_Kunst_und_Wissenschaft_1_(1843).pdf/213&oldid=3580816 (Version vom 5.12.2019)