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Liste.png J. P. Jordan: Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Erster Jahrgang

Schiller’sehen Balladen eben so meisterhaft, als seine Originalgedichte schön und kräftig sind; Herr Pfarrer Krémpelj besorgt die Herausgabe einer Geschichte der Slowenen in der Steiermark in mehreren Bänden; Herr Dr. und Prof. Klancnik in Laibach übersetzt meisterhaft die Bibel in einem Auszuge für das Volk, und einer brieflichen Mittheilung zu Folge soll er in der jüngsten Zeit die Bearbeitung eines grossen Lexikons nach der Art des Adelung’sehen übernommen haben, u. s. w. Und alles dieses wird in der neuen verbesserten Orthographie unter die Slawen treten, welche seit einem Zeitraume in mehrern Büchern zu sehen ist und sich eines allgemeinen Beifalles zu erfreuen hat; wie z. B. in Vodnik’s gesammelten Gedichten. (Laibach 1840, bei Blaznik.)

 Sie sehen also, dass es mit dem Fortschritt in der Nationalsprache unter uns nicht etwa so schlecht steht, als es beim ersten Anblicke scheinen dürfte, und dass ein Zeitpunkt erscheinen muss, wo sich ein klarer Horizont über die Slowenen ausbreiten wird. Ausserdem haben wir die schöne Hoffnung, in Kürze eine Zeitschrift zu besitzen, die ein Vereinigungspunkt junger slowenischer Talente sein soll.

 Zum Schlusse meiner gegenwärtigen Mittheilung muss ich Sie auch auf die Pflanzschule der künftigen Slowenen-Literatoren aufmerksam machen. Ich verstehe darunter die angehenden Geistlichen in den bischöflichen Seminarien zu Laibach, Grätz, Klagenfurt und Görz, welche mit glühendem Enthusiasmus die Erlernung und Bearbeitung der slawischen Sprache sich zur Aufgabe machen. Besonders bemerkt man unter den jungen Theologen in Laibach seit etlichen Jahren unter der Leitung des Professors Metelko einen grossen Eifer für das Slawische. Im verflossenen Schuljahre bildete sich ein Verein von Theologen, welche sich mehrere slawische Zeitschriften hielten und jedem Mitgliede neben der vollkommenen Erlernung des Slowenischen auch das Studium einer andern slawischen Sprache zur Aufgabe machten, was ihnen keine grosse Schwierigkeit verursachte, da sowohl die Seminar-Bibliothek, als auch die Bibliothek am k. k. Lyceum eine Auswahl von slawischen Werken in jeder Mundart besitzt und auch Herr Kastelic seine herrliche Bibliothek aus dem Nachlasse Cop’s von nahe an 3000 Bänden in allen europäischen Sprachen grossmüthig zum Gebrauche darbietet.

 Der Himmel möge die Bemühungen Aller mit seinem Segen krönen und in ihnen wahre Lehrer dem Volke geben!

Milko.


2. Die Czechen und ihr Verhältniss zu den übrigen Slawen in literarischer Hinsicht.
(Aus Mickiewicz’ Vorlesungen.)

 Es ist dieses (Böhmen) ein Thal oder vielmehr ein Kessel zwischen convergirenden Bergen, die rechts und links ihre Gewässer nach der am tiefsten gelegenen Mitte hinsenden, wo sie von der Elbe aufgenommen und weiter spedirt werden, etwa ein Tausend Quadratmeilen gross, und mit etwas über vier Millionen Einwohner. Der schwierige Zutritt zu diesem Lande schirmte es sogar schon während der Völkerwanderungen; die Barbaren, welche sich tief nach Europa hinein versenkten, umkreisten es in die Runde. In einer so glücklichen Lage gelegen, vermochten die Czechen schon zeitig eine gewisse Ordnung in ihre Politik und Literatur zu bringen. Im elften Jahrhunderte gründeten sie schon die Erblichkeit des Thrones und sicherten gesetzlich die Untheilbarkeit des Königreichs; zwei ungeheure Schritte im politischen Leben. Dieses Reich war auch das erste im Slawenthum, welches die christliche Religion für die Grundlage der neuen Gesellschaft annahm. Desgleichen war ihre Sprache schon längst angebaut und besitzt Denkmäler aus dem X. Jahrhundert, im XI., XII. und XIII. aber zählte sie schon viele geschriebene Werke. Nach dem Auslöschen der volkstümlichen Dynastie

Empfohlene Zitierweise:
J. P. Jordan: Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Erster Jahrgang. Robert Binder, Leipzig 1843, Seite 225. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Jahrb%C3%BCcher_f%C3%BCr_slawische_Literatur,_Kunst_und_Wissenschaft_1_(1843).pdf/236&oldid=- (Version vom 3.9.2019)