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Liste.png J. P. Jordan: Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Erster Jahrgang

gedruckte Darlegung der Astronomie, welche Kopernik aus dem Munde Wojciechs von Brudzewo in Krakau hörte. Das geschriebene Werk (mit Zeichnungen) hat den Titel: „Commentariolum supra theoricas novas Georgii Purbach in studio generali Cracoviensi per Magistrum Albertum de Brudzewo diligenter corrogatum“; das gedruckte (in 8. ohngefähr 160 S.): Commentaria utilissima in theoricis Planetarum. Auf der Rückseite des Titels in dem gedruckten Buche befindet sich ein Wort des Herausgebers Johannes Otto Germanus de valle vracense an Ambrosius Rosato, fürstlichen Arzt und Rath, worin er dieses Werk seines Lehrers den Schülern Italiens anempfiehlt und ihm dadurch den Vorzug über alle gleichzeitigen italienischen Werke dieser Art zugesteht. Am Ende des Textes ist derselbe Titel, der auf der Handschrift von 1493 steht, mit dem Zusatze: pro introductione juniorum“ wiederholt. Dieses Werk, das umfänglicher ist, als das handschriftliche, erschien in demselben Monate und Jahre (April 1495) in Mailand, wo Wojciech in Wilno starb. Achtundvierzig Jahre später kam das unsterbliche Werk seines Schülers Koperniks in Nürnberg wieder in demselben Jahre in den Druck, in welchem der Gründer der gegenwärtigen Astronomie in Frauenburg an der Ostsee starb.

 Diese für jene Zeit vortreffliche mündliche und schriftliche Darstellung der Astronomie von Brudziewski, welche die tüchtigsten Jünger der Wissenschaft aus der Ferne herbeizog, erweckte in Kopernik den Gedanken, welchen der Kardinal Cusa sich vergeblich bemühte mündlich in dem Wiener Astronomen Purbach und schriftlich in dessen Schüler Johannes Müller zu erregen, den Gedanken, dass die Erde eben so um die Sonne sich dreht, wie die andern Planeten um diese. Mit diesem Gedanken, den er in Krakau auf die oben angegebene Weise sich eigen gemacht, begab sich Kopernik im Jahre 1495 auf die italienischen Universitäten. Diese waren an Lehrstühlen für griechische Sprache, Geschichte und Medicin reichhaltiger als die Krakauer, aber keineswegs an solchen für Astronomie. Purbach starb in Wien, als er nach Rom ging, die griechische Sprache zu lernen; sein Schüler Müller, starb in Rom, wohin er in derselben Absicht gekommen. Diese beiden Astronomen wollten das Griechische erlernen, Kopernik gedachte nur, sich unter dem Himmel Italiens darin zu vervollkommnen; jene wünschten die Astronomie der Griechen an der Quelle kennen zu lernen, dieser schöpfte Stützen für seinen grossen Gedanken aus derselben. Das seit 1406 zu Venedig gehörige Padua hatte zu der Zeit, wo sich Kopernik, als zur polnischen Nation gehörend unter ihre Zöglinge einschreiben liess, keinen Professor der Astronomie, der Brudziewski gleich gekommen wäre; Kopernik hatte sich zur medicinischen Facultät einschreiben lassen. In der Geschichte dieser Universität: Historia gymnasii Patavini, Venetiis 1726, in folio. Band II. S. 195 spricht sich der Verfasser, Nicolaus Commenus Papadopoti über den Astronomen so aus: „Dass Nicolaus Kopernikus in Padua sich auf Philosophie (die peripathetische) und Medicin verlegte, erhellet aus der Matrikel der Polen (patet ex Polonorum albis), wornach er ein Schüler von Nicolaus Passero und Nicolaus Verni Teatyn war. Letzterer setzte nach den Acten der medicinischen Facultät vom Jahre 1499 den Doctorkranz dieser beiden Wissenschaften auf sein Haupt.“ — Aus Padua machte Kopernik wissenschaftliche Ausflüge nach Bologna, wohin ihn der Ruhm des dortigen Astronomen Dominik Maria Novarra, geb. 1464 in Ferrara, gest. 1514 in Bologna, zog. Dieser verdankt seinen Ruhm der falschen von Montuclo im ersten Bande S. 549 seiner „Histoire des Mathématiques“ ohne allen Grund aufgestellten Meinung: „d’avoir été le maitre de Copernic et l’avoir engagé par son exemple et ses conseils à se livrer à l’aslronomie.“ Dieses Verdienst gehört, wie wir sahen, ausschliesslich Wojciech von Brudzewo, aus dessen Buche auch die italienische Jugend Astronomie lernte. Es fehlte nur noch, dass Kopernik selbst dieser Jugend die gedachte Wissenschaft vortrug. Das bewerkstelligte der würdige Freund Koperniks Dominik Maria Novarra, der ihn nach Vollendung seines

Empfohlene Zitierweise:
J. P. Jordan: Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Erster Jahrgang. Robert Binder, Leipzig 1843, Seite 250. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Jahrb%C3%BCcher_f%C3%BCr_slawische_Literatur,_Kunst_und_Wissenschaft_1_(1843).pdf/261&oldid=- (Version vom 19.1.2019)