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Liste.png J. P. Jordan: Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Erster Jahrgang

In der Mitte des Obelisks ist ein Bildniss der Mutter Gottes von Smolensk; auf dem Piedestal der Plan der Schlacht und folgende Aufschriften: 1) den 5. August beschützten Smolensk 62 Bataillone, 8 Escadronen und 144 Stück Geschütz; 2) Befehlshaber waren Rawwski und Dochturow; 3) Obercommandant Barcley de Tolli und Bagration; 4) das Treffen unterhalb Smolensk am 4. u. 5. August 1812; 5) vom Feinde fiel 1 General und 3 waren verwundet, 20,000 Mann wurden waffenunfähig; 6) russische Generale fielen 2, verwundet 1, gegen 9600 Mann waffenunfähig gemacht; 7) am 5. August griff der Feind an mit 111 Bataillonen, 28 Escadronen und nahe an 300 Geschützen.

 — Aber die russischen Krieger finden nicht nur in ihrer Heimath ein ruhmvolles Andenken, sondern auch benachbarte Völker bemühen sich, ihnen Achtung und Ehre zu erweisen. So wurde in Bucharest ein grosses Denkmal errichtet für die russischen Krieger, welche in den Jahren 1828 und 1829 unter den General-Adjudanten Geissmann in der sogenannten kleinen Wallachei fielen. Dasselbe war zwar schon im Jahre 1828 errichtet, damals aber so eilfertig aufgestellt worden, dass es immer mehr und mehr verfiel und einem völligen Zusammensturz entgegen sah. Jetzt hat es der Anführer der wallachischen Truppen, Wel Spatar Ghika, „aus Ergebenheit für die siegreiche russische Armee“ (so drückt sich ein russisches Journal aus) auf eigene Kosten wieder herstellen und herrlich verzieren lassen.

 — Im Jahre 1839 starb bekanntlich der talentvolle junge Historiker J. Wenelin; er hatte sich besonders auf die Geschichte der Bolgaren geworfen. Seine „alten und neuen Bolgaren“ machten unter den gebildeten Männern dieser Nation in Odessa (bekanntlich ist die Gegend westwärts von Odessa bis an die Donau und die wallachische Grenze rein von Bolgaren bewohnt, welche nach Schafarik 80,000 Köpfe stark sind; ihre reichsten und vornehmsten Glieder halten sich in Odessa auf, um da theils eine höhere wissenschaftliche Bildung sich zu erwerben und dann auf ihr Volk geistig einwirken zu können, theils treiben sie wieder als Kaufleute die ausgebreitesten Geschäfte) ungemeines Aufsehen, und ihnen verdankte man zunächst die weitern Forschungen, welche auf diesem Felde der Geschichte in den letzten Jahren geschehen sind. Die Bolgaren wussten ihm dafür tiefen Dank, ja sie sprachen es öffentlich aus, dass er durch seine Werke „die Aufmerksamkeit auf die bedrängten Nachkommen der alten Bolgaren gewendet, dass er die Nachkommen derselben zu neuem Leben aufgeweckt und so vielleicht der Urheber ihrer Wiederauferstehung geworden ist.“ In Folge dessen beschlossen sie, ihm in Italien ein Denkmal machen zu lassen, welches nun bereits in Odessa angekommen ist. Dasselbe besteht aus einer grossen Marmorsäule, geziert mit einer Urne und dem Kreuze; auf dem Piedestal steht folgende Aufschrift mit goldenen Buchstaben: auf der ersten Seile: ЮРІЮ ИВАНОВИЧУ ВЕНЕЛИНУ Одесскіе Болгаре. 1841. (Dem Georg Iwanowicz Wenelin die odessaer Bolgaren 1841.); auf der zweiten: Родился 1802; скончался 1839 года (geb. 1802, gest. 1839.); auf der dritten: Напомнилъ свѣту о забытомъ, но нѣкогда славномъ, могущественномъ племени Болгаръ, и пламенно желалъ видѣть его возрожденіе. (Er erinnerte die Welt an den vergessenen, aber einst berühmten, mächtigen Volksstamm der Bolgaren, und wünschte glühend, die Wiedergeburt desselben zu sehen); auf der vierten: Боже Всемогущіи! услыши молитбу раба твоего! (Allmächtiger Gott! Erhöre das Gebet deines Knechtes!) Das Denkmal wird in Moskwa auf dem Grabe des Verstorbenen im Daniel-Kloster aufgestellt. Dieses an sich unwichtige Faktum, das von einzelnen Privatmännern ausgegangen ist und durch ihre vereinte Bemühung ausgeführt wurde, bekommt durch die eigenthümlichen Zeitumstände, unter denen es geschehen, und durch die innigen Verhältnisse, welche sich in den neuesten Zeiten zwischen den russischen und den türkischen Bolgaren herausgestellt haben, eine eigenthümliche Bedeutsamkeit, welche man nicht übersehen darf. Die ehrenvolle Auszeichnung eines Einzelnen scheint uns unter den obigen Umständen ein Compliment, das man allen Russen gemacht hat.

Empfohlene Zitierweise:
J. P. Jordan: Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Erster Jahrgang. Robert Binder, Leipzig 1843, Seite 39. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Jahrb%C3%BCcher_f%C3%BCr_slawische_Literatur,_Kunst_und_Wissenschaft_1_(1843).pdf/50&oldid=- (Version vom 27.2.2019)