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Liste.png J. P. Jordan: Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Erster Jahrgang

bestätigt und 1809 sie vom Kaiser Alexander selbst besucht. 1832 ward sie nach Helsingfors verlegt und blüht nun in der Mitte des Landes frischer auf, als je früher. Dann folgt eine „Reise zum Jubiläum 1840“, ein grosses Gedicht von dem ausgezeichneten finnischen Dichter Francen; hierauf „Finnland in der russischen Poesie“, ein Brief von Pletnjew an Cigneus; „Einige Tage in Lappland“ ein höchst interessanter Artikel von Kaströn, Docenten der finnischen und der alten nordischen Sprachen in Helsingfors und Verfasser der schwedischen Uebersetzung des grossen finnischen Poems: „Kalewala“; dann „das unumgangene Haus“, eine Erzählung vom Fürsten Odojewski; „über den Nationalcharakter der Finnen“ von Emin, sehr interessant; endlich neben zwei literarischen Artikeln von geringem Werthe ein höchst wichtiger Aufsatz: „die gegenwärtigen Bauern-(Natur-)Dichter Finnlands“ von Lenrot (Lehnroth ?), der als eifriger Sammler finnischer Nationallieder, Sprüchwörter u. dergl. bekannte Herausgeber des „Kanteletar“ (Tochter der Harfe), einer grossen Sammlung einzelner Lieder, und der „Kalevala“ (Finnland), einer Sammlung von 32 Liedern, die zusammen ein Ganzes, eine Art Nationalepos bilden.

2. Ушренная Заря: Morgenröthe, Almanach für das Jahr 1842. Herausgegeben von Wladislawlew. 12. 372 S. — Seit seinem Entstehen hat sich dieser Almanach fortschreitend verbessert. Der vorliegende vierte Jahrgang enthält ausser 7 schönen englischen Kupferstichen viele Gedichte und Erzählungen. Unter diesen sind die besten: „das Ereigniss auf der Eisenbahn“ vom Grafen Sollohub, „Kapustin der Moskawer Kaufmann“ von Kukolnik. Unter den Gedichten zeichnen sich: „die Liebe des Leichnahms“ von Lermontow, „Reisegedanken“ von Wjazeinski, und „An***“ von Korenew aus.

3. Начадственныя Распоряженія по Казанскому учебному округу Verordnungen und Verfügungen für den Kasaner Lehrbezirk, herausgegeben von der Kanzlei des Curators des Kasanei Lehrbezirks. V. Bd. Jahrgang 1842. 1. u. 2. Heft. 8. 16, 15, 3, 60, 9 Seiten mit drei Tabellen. Diese bereits seit 1838 von dem Curatorium der Universität Kasan herausgegebenen Hefte haben eine ungemeine Wichtigkeit auch für die nicht zu jenem Lehrkreise Gehörenden, da sie eine Masse der interessantesten Details über die Fortschritte des Russenthums und der Civilisation in diesem Asien mit Europa vermittelnden Lande liefern. Für jeden Monat erscheint ein Heft, welches erstens die kaiserlichen Befehle, dann die Ministerial-Verordnungen, ferner die Verfügungen des Curatoriums, viertens officielle Nachrichten über Lehrinstitute, fünftens die Veränderungen und Begebenheiten im Lehrerpersonale, endlich Eröffnungen neuer Lehranstalten u. s. w. berichten. Da fallen manchmal sonderbare Dinge vor; so ist z. B. gegen wärtig der ausgezeichnetste Schüler des ganzen Bezirkes ein Anbeter des Schakiamuni und des Dalaj-Lama, ein Mongole, Namens Dordżi Banzarow.

4. Die „Zeitung für Kunst“, die zwei Jahre hinter einander von Struyowschczikow herausgegeben wurde, ist für das Jahr 1842 „ausgesetzt“ (nicht aufgegeben) ; denn es stellt zu erwarten, dass der ehrenwerthe Redacteur bei seiner ungemeinen Liebe für den Gegenstand, die erste Gelegenheit benutzt, seine Zeitschrift wieder auf die Beine zu bringen. Allein er wird damit immer zu frühe kommen ; in Russland ist noch die Zeit für speciale Journale nicht gekommen ; da muss alles noch in grossen Massen und gemischt für allerlei Leser geboten und so das nur für Wenige Interessante von dem für Alle Beachtungswerthen mit fortgetragen werden. Besonders trifft diess die Gegenstände der Kunst; „Gemälde, Statuen, Kupferstiche und dergleichen sind bei uns grösstentheils noch nichts mehr als Stubenputz, etwa wie Tapeten und schöne Möbel ; über Kunst selbst wird bei uns nur wenig gesprochen, noch weniger wird sie gekannt; am wenigsten findet sie Verehrer oder Liebhaber.“ Das sind die eigenen Geständnisse der Russen über diesen Gegenstand, und denen lässt sich wohl nicht widersprechen.

5. Репертуаръ русскаго Театра: Repertoir des russischen und Pantheon aller europäischen Theater auf das Jahr 1842. Heraus geg. von J. Pesocki. Petersburg 1342. Mit dem russischen Theaterwesen und der dramatischen Literatur geht es, wie wir bereits oben auseinandersetzten, nur langsam vorwärts. Das Interesse für die Sache mehr zu beleben, kam man auf die Idee, die interessantesten Theaterstücke durch den Druck in ein grösseres Publikum zu verbreiten. So tauchten im Januar 1839 plötzlich zwei Unternehmungen auf, welche gleiche Zwecke zu verfolgen ankündigten: das „Repertoir des russischen Theaters“ und das „Pantheon aller europäischen Theater.“ Die beiden Nebenbuhler geriethen gleich in allem Anfange in den heftigsten Kampf mit einander; um die Wette arbeiteten sie einander zuvor, um sich bei dem Publikum Geltung und Verbreitung zu verschaffen. Allein das doppelte Inanspruchnehmen desselben, so wie der geringe Eifer für das Theater überhaupt führten den beiden Journalen nur geringe Theilnahme zu. Sie waren auf dem Punkte, beide zu Grunde zu gehen, als sie sich vereinigten und die Redaction an Pesocki allein überging (seit Januar dieses Jahres). Im Programm erklärt derselbe selbst, er sei in den früheren Jahrgängen oft genöthigt gewesen, aus „dem Schechten das Mittelmässige“ herauszuwählen. Für die Folge nun jedoch macht er Hoffnung, er werde durch Uebersetzung guter Stücke und durch kräftige leitende Artikel den Beifall seiner Leser sich zu erwerben im Stande sein. In Hinsicht jener hat er bereits Wort gehalten;

Empfohlene Zitierweise:
J. P. Jordan: Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Erster Jahrgang. Robert Binder, Leipzig 1843, Seite 82. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Jahrb%C3%BCcher_f%C3%BCr_slawische_Literatur,_Kunst_und_Wissenschaft_1_(1843).pdf/93&oldid=- (Version vom 16.10.2018)