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Und in dem stürmischen Jagdgewühl
Der Herzogin Hand der Trauring entfiel,
Groß Unheil ahnte die ganze Schaar,

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Als der Talisman also verloren war.


Und da, vergeblichen Suchens müd’,
Der bangende Troß nach Hause zieht,
Folgt Horsa der blutigen Fährt’ noch allein,
Den Gram in der Brust um die Liebste sein.

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Einen Hirsch erspäht er in hastiger Eil’,

Schnell stürzt ihn zu Boden sein schwirrender Pfeil;
Was zeigt ihm die Beute? – ein Freudenschrei! –
Der Herzogin Ring auf dem spitzen Geweih!

Nach Staufen gleich mit dem Kleinod er geht,

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Die Herrin mit huldvollem Blick ihn empfäht,

Mit Gold will ihn lohnen der Gnädigen Hand;
Doch für Edleres war ihm sein Herz entbrannt:

„Nicht, gnädigste Fürstin, für Gold und Gut;
Es schlägt meine Brust für ein jungfräulich Blut,

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Eures Kanzlers Töchterlein lieb’ ich so sehr;

Doch schenkt mir der Vater sie nimmermehr.“

„D’rum wollt Ihr ein gütiges Wort da verleih’n,
So soll das die höchste Gnade mir seyn!“ –
Sie gelobt und erfüllt es: – des Kanzlers Mund

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Bestätigt der Liebenden glücklichen Bund. –


Zu frommem Dank, wo der Trauring sich fand,
Durch die Fürstin der Dom Sanct Johannis erstand:
Es lichtet der Wald umher sich gemach,
Und die Häuser der Stadt erstehen nach.

Empfohlene Zitierweise:
Johann Georg Fischer: Der Ring, oder die Gründung von Gmünd In: Dichtungen. Griesinger, Stuttgart 1841, Seite 4. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Johann_Georg_Fischer_Dichtungen_Auszug_Frischlin_Gmuend.pdf/4&oldid=- (Version vom 29.11.2021)