Seite:Keyserling Beate und Mareile.djvu/141

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im Wohnzimmer wurde ein Tanz auf dem Klavier gespielt. Das war Beate, die für Went zum Tanz aufspielte. Günther sah dem gerne zu. Es war zu hübsch, wenn so das blonde Figürchen, von den Enden der breiten, roten Schürze umflattert, sich langsam im Sonnenschein drehte.

„Ach was!“ sagte er sich und schrieb eilig: „Liebe Mareile! Wenn ich nicht komme, so ist es, weil ich glaube, daß es besser für dich und für mich ist. Die Erinnerung an das Glück, welches du mir gegeben, wird mir mein Leben hindurch ein teurer Schatz sein. G.“ Er überlas das Geschriebene, verzog die Lippen. „War das glatt! Na, nichts zu machen.“


Mareile war von der vorletzten Station vor Kaltin in einem Mietwagen in Lantin eingetroffen. Frau Kulmann freute sich, wieder etwas Geheimnisvolles unter der Hand zu haben. Sie setzte Mareile eine Mahlzeit vor, ging in die Türkenbude, um ein wenig abzustäuben, und füllte die weiße Salatschüssel mit Anemonen und Himmelschlüsseln.

Mareile saß in dem Türkenhäuschen und wartete. Die jungbelaubten Birken dufteten stark zu ihr herein. Im Walde rief der Kuckuck. Ihr Gesicht hatte eine strenge, fast scharfe Reinheit der Linien erhalten, die es älter erscheinen ließ. Sie war ganz ruhig. Sie war gekommen, ihr Eigentum wieder an sich zu nehmen, und hielt sich für stark genug dazu. Günther konnte ohne sie nicht leben; wer sie besessen hatte, mußte krank vor Verlangen nach ihr sein und konnte sich nicht mit den bleichen Beaten zufrieden geben. Er wäre fast für sie gestorben. Er gehörte ihr. Er würde kommen.

Es raschelte im Gemach. Mareile schaute auf. Da stand

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Eduard von Keyserling: Beate und Mareile. S. Fischer, Berlin [1903], Seite 141. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Keyserling_Beate_und_Mareile.djvu/141&oldid=- (Version vom 1.8.2018)